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Auf
dem Festival
Was machen die Fachbesucher aus der Filmbranche eigentlich auf den großen
Filmfestivals? Filme anschauen? Dies bleibt den Kritikern und den Einkäufern
vorbehalten, die übrigen Fachbesucher schwirren rastlos herum. Grund genug,
am Beispiel der Berliner Filmfestspiele, dem deutschen A-Filmfestival, einmal
genauer hinzuschauen.
Am Anfang steht die Anmeldung
Nichts geht ohne Akkreditierung. Natürlich, man kann sich in Berlin an
den Ticketschaltern am Potsdamer Platz in die Schlangen einreihen und Karten
für die Vorführungen, soweit vorhanden, erstehen. Damit verschafft man sich
Zutritt zu einer recht angenehmen Art des Festivalbesuchs, hat aber kaum eine
Chance, etwas für die eigenen Projekte zu tun.
Hier und da gibt es ein paar Absperrungen, um den VIPs, den berühmten
Schauspielern, Produzenten oder Regisseuren ein wenig Abstand zu verschaffen.
Diese sind meist in den Luxushotels rund um den Berlinale-Palast
untergebracht.
Worum geht es?
Wenn man
also nicht gerade Filmkritiker ist, werden andere Bestandteile des Festivals
wichtiger sein. Zum Beispiel der Internationale Filmmarkt. Dieser befindet
sich im Debis-Hochhaus. Für die Teilnahme benötigt man eine Akkreditierung,
eine Registrierung als professionelles Mitglied der Filmindustrie. Diese
bekommt man in der Regel über die verschiedenen Berufsverbände, von Spio,
Bufi, Regieverband, Drehbuchverband etc. Diese versenden an ihre Mitglieder
auf Anfrage Anmeldebögen, die man dann selbst ausfüllt und mit einem
Passfoto versehen zurücksendet. Die Verbände sammeln diese und leiten sie
mit entsprechendem Verbandsstempel an die Festivalorganisation weiter.
Wenn das Festival beginnt, kann man sich an den für die betreffenden
Organisationen vorgesehenen Schaltern seinen Ausweis gegen eine Gebühr (40
Euro) abholen. Zusätzlich erhält man, je nach Art der Akkreditierung auch
einen Festivalkatalog und eine Teilnehmerliste. Letztere ist sehr hilfreich,
um zu sehen, wer überhaupt in Berlin anwesend ist. Der Ausweis kann dann mit
Clip oder an einem Umhängeband getragen werden, oder auch jeweils nur beim
Eintritt in den Marktbereich vorgezeigt werden. An speziellen Schaltern kann
man mithilfe der Ausweise auch kostenlose Eintrittskarten für Festivalfilme
bekommen.
Der internationale Filmmarkt
Im Filmmarkt finden
sich Stände der wichtigsten europäischen aber auch einiger asiatischer
Filmnationen sowie Kanada und präsentieren ihre neusten Produkte. Auch
unabhängige Filmvertriebe oder die Fernsehanstalten haben dort Stände.
Daneben gibt es eine unglücklicherweise etwas separierte deutsche
Marktstraße, den German Boulevard, auf den sich internationale Gäste eher
selten verlaufen. Dort präsentieren sich neben den Filmexporteuren (Sales
Agents) auch Industrieunternehmen aus der deutschen Filmbranche.
Die Stände sind unterschiedlich strukturiert. Manche bestehen nur aus
einem Tisch, einem Videospieler samt Bildschirm und einigen Plakaten, andere
verfügen auch über weitere Tische und Stühle für Besprechungen.
Da die Gebühren für die Stände nach ihrer Größe berechnet werden,
kann man sich vorstellen, dass sich nur größere Firmen oder Organisationen
großzügigere Stände leisten können. An den Ständen gibt es häufig
Publikationen zum Mitnehmen, in denen Sie einen Überblick etwa über die
Filmindustrie des am Stand vertretenen Landes bekommen. Wenn Sie
internationale Koproduktionen planen, sind die darin enthaltenen Adressen
sehr hilfreich.
Kontakte
Zwischen
all den Ständen gibt es auch ein paar Cafés, in denen man sich für
Besprechungen treffen kann. Aber auch außerhalb des Filmmarktes haben sich
in unmittelbarer Nachbarschaft Firmen der Filmindustrie in Coffee-Shops oder
Restaurants eingemietet und laden dort zu freien Getränken und produktiven
Gesprächen ein.
Die meisten haben einen ziemlich engen Terminkalender während der
Filmfestspiele. Deshalb ist es ratsam, mit Personen, zu denen man schon
Kontakt hatte und die man treffen möchte, bereits Wochen vor dem Festival
Termine auszumachen. Wenn man das versäumt hat, gibt es noch die
Möglichkeit, an den Ständen (z. B. ZDF oder ARD) Nachrichten zu
hinterlassen und um Kontaktaufnahme auf seiner Mobilnummer zu bitten.
Der Austausch zwischen jungem Filmnachwuchs und erfahrenen Profis wird
über den Berlinale Talent Campus ermöglicht. Junge Regisseure, Produzenten,
Drehbuchautoren, oder Schauspieler erhalten hier nicht nur brachenwichtige
Informationen, es wird ihnen auch die Basis geschaffen, wichtige
Kontakte für das spätere Berufsleben zu knüpfen. Der Berlinale-Campus
unter dem Motto „You always remember the first time“ findet dieses
Jahr vom 10. bis 14. Februar im Haus der Kulturen der Welt statt.
(
Website Talent Campus )
Partys und Empfänge
Unabhängig von einer Akkreditierung gibt es auch diverse Empfänge von
Firmen und Organisationen. So laden die Kanadier, die Briten, die Franzosen,
die Italiener, die Deutschen und viele andere Exportorganisationen zu „Receptions“-Empfängen
ein, vorzugsweise an illustren Plätzen. Im Tempodrom, einer Art Zirkus, im
Musik-Instrumenten-Museum, in die Kunsthalle, in Theaterfoyers, ins rote
Rathaus, in Ländervertretungen, an zahllose Veranstaltungsorte die mehr aber
auch weniger nah um den Potsdamer Platz herum angesiedelt sind.
Die Empfänge laufen alle relativ ähnlich ab. Die einladende Organisation
begrüßt die Gäste, hebt vielleicht die filmischen Leistungen hervor und
eröffnet dann das Büfett. Und dann ergeben sich Gelegenheiten, etwas
ungezwungener mit Kollegen aus der Branche, mit Vertretern der Förderungen
oder der Fernsehanstalten sprechen zu können. Dabei ist es unangebracht, die
Gunst der Stunde zu nutzen und sein Projekt in aller Breite vorzutragen.
Wichtiger ist, dass Ihr Gegenüber Sie ein wenig kennenlernt und später,
wenn Sie ihr Drehbuch zusenden, dieses Projekt bereits mit einer Person,
einem Gesicht, verbinden kann. Die menschliche Komponente ist sehr wichtig
bei der Beurteilung von Projekten.
Deshalb ist das Anschauen von Filmen für Fachbesucher eines Festivals
häufig ein seltener Luxus.
Wettbewerbsbeiträge 2003
| FILMTITEL
|
LAND |
REGISSEUR |
HAUPTDARSTELLER |
| Der alte Affe Angst |
D |
Oskar Roehler |
Marie Bäumer und Vadim Glowna |
| Good Bye, Lenin! |
D |
Wolfgang Becker |
Daniel Brühl und Katrin Saß |
| Lichter |
D |
Hans-Christian Schmid |
Herbert Knaup und August Diehl |
| The Hours |
USA |
Stephen Daldry |
Meryl Streep, Julianne Moore und Nicole Kidman |
| Solaris |
USA |
Steven Soderbergh |
George Clooney |
| Confessions of a Dangerous Mind |
USA |
George Clooney |
George Clooney, Julia Roberts und Drew Barrymore |
| The 25th Hour |
USA |
Spike Lee |
Edward Norton |
| Adaptation |
USA |
Spike Jonze |
Nicolas Cage und Meryl Streep |
| The Life of David Gale |
USA/GB |
Alan Parker |
Kevin Spacey und Kate Winslet |
| In this world |
GB |
Michael Winterbottom |
|
| La Fleur du mal |
F |
Claude Chabrol |
|
| Son Frère |
F |
Patrice Chéreau |
|
| Petites Coupures |
F |
Pascal Bonitzer |
Daniel Auteuil und Kristin Scott Thomas |
| Ying Xiong |
China |
Zhang Yimou |
Maggie Cheung Man Yuk |
| Mang Jing |
China |
Li Yang |
|
| Io non ho paura |
I |
Gabriele Salvatores |
|
| Rezervni Deli |
Slo |
Damjan Kozole |
|
| Madame Brouette |
Sen |
Moussa Sene Absa |
|
| Tasogare Seibei |
Japan |
Yoji Yamada |
|
| My Life Without Me |
E/Can |
Isabel Coixet |
|
| Ja zuster, nee zuster |
NL |
Pieter Kramer |
|
| Alexandras Project |
Aus |
Rolf de Heer |
|