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Tag 1- VorspielZugegeben, die Anreise war etwas beschwerlich, wer rechnet auch damit, dass der ICE frühmorgens um Sechs Uhr defekt ist und statt dessen ein Ersatzzug das Fahrvergnügen erheblich verlängern wird. Vielleicht verbarg sich dahinter auch eine originelle Idee der Bahn, aus Anlass der Berlinale Filmklassiker zu zitieren. Kleinliche Mitreisende beklagten das Fehlen jeglichen Speisewagens, dergestalt unbelastbare Menschen, die bereits bei neunstündigen Fahrten Hungersnot verspüren, sollten unter uns gesagt, eigentlich die Finger lassen von der Bahn. Obwohl, irgendwie spürte man den Existentialismus der italienischen Neorealisten durch, so viele wunderbare Filme in denen u.a. der Hunger so liebevoll thematisiert wurde. Besonders filmisch der Einfall der Bahn, immer neue Bahnhöfe zu nennen, bis zu denen der Sonderzug noch fahren würde, um irgendeinen Umsteigezug zu erreichen. Da diese Züge permanent verpasst wurden, fuhr man dann zähneknirschend bis Berlin durch. Das erinnerte schon fast an die fabelhaften Eisenbahnszenen in Dr. Schiwago. Insgeheim waren wir recht froh, dass die Bahn nicht auch noch Filme zitierte, in denen die Züge mit Höchstgeschwindigkeit, vorzugsweise führerlos und ungebremst in irgendwelche Bahnhöfe reinrasen.
Tag 2 - EinstiegDafür erfüllt Berlin gleich bei der Ankunft wieder alle Erwartungen. Da war er wieder, der legendäre Eiswind, der durch die architektonisch hochgelobten Windkanäle des Potsdamer Platzes pustet. Und die Weihnachtsbeleuchtung baumelt windgepeitscht in den Bäumen, der regennasse rote Teppich, die vielen verschnupften Kollegen... ein winterliches Familientreffen eben. Rund um den roten Teppich warten unerschütterlich die Autogrammjäger, die im Gegensatz zu den Presseleuten keine genauen Zeitangaben über das Eintreffen der Stars besitzen. Sie harren aus, um für einen kurzen Moment mit der glitzernden Filmwelt in Berührung zu kommen. Die glitzernde Filmwelt, das sind Jene, welche am Seitenausgang des Hotels in Sichtweite des roten Teppichs in die offiziellen dunklen Berlinale- Limousinen einsteigen um unmittelbar darauf am Teppich vorzufahren und im Blitzlichtgewitter wieder auszusteigen. Dabei wissen die Armen gar nicht, was sie alles verpassen. Die neue Würstchenbude, die plötzlich etwas Berliner Atmosphäre zwischen den noblen Läden und Coffeshops verbreitet, die Schlangen vor den öffentlichen Ticketschaltern, die zahllosen Mini-Konzerte in den S- und U-Bahnhöfen, die Züge und das sehr direkte, raue Leben selbst. Tag 3- MarktgeschehenDerweil wird im europäischen Filmmarkt, direkt neben dem Berlinale-Palast eifrig gearbeitet, fertige oder noch erträumte Filme werden angeboten, es wird eifrig über die Lage der Filmindustrie diskutiert. Die auf der sicheren Seite, die Vertreter der großen etablierten, und durch diverse Lobbyisten vertretenen Firmen loben die großen Fortschritte für die Branche und meinen damit die deutsche Filmakademie und das Filmförderungsgesetz. Die auf der kreativeren, unsichereren Seite, die Independents kritisieren all die Ausschlussklauseln eben dieser vorgenannten Einrichtungen: Jener niedliche Zusatz, dass nur Filme, die mit mindestens 10 Kopien im Kino gestartet wurden, für den deutschen Filmpreis nominiert werden können, schließt mal so eben alle Independent-Filme aus, die per Plattform-Start in zwei, drei Großstädten anlaufen. Jene Verschärfungen in den FFA Richtlinien, hinsichtlich Stammkapital der antragsberechtigten Firmen dienen dem gleichen Zweck: Absicherung der eigenen Pfründe, das Gesetz des Stärkeren. "Wir müssen draußen bleiben" jener Schriftzug der niedlichen Schilder mit dem Hundebild, welche vor Lebensmittelläden hängen, diese demütige Grundhaltung haben sich die Film-Lobbyisten wohl auch von den Independents erhofft, als sie an den Reglements der Filmakademie und der FFA Novelle gestrickt haben. Die Indis sind vermutlich viel zu sehr mit Überleben, mit Miete und Brötchen zahlen beschäftigt, als dass sie noch Energie für Gegenwehr hätten. Nichts gelernt von Hollywood, wo es die Independents waren, die frische, vitale Geschichten in die Kinos brachten? Wer die kreative Spielwiese der Filmkultur vertrocknen lässt, dem bleibt irgendwann nicht viel anderes mehr übrig als deutsche Zwergenblödelfilme, Eulenspiegelanimationen und Schlimmeres in die Kinos zu pumpen. KulturaustauschBei den Empfängen, die ab und an rund um die Stände urplötzlich zu lebhaften, Menschentrauben führen, bemühen sich die verschiedenen Filmländer auch ein Stück Landeskultur zu vermitteln. Die Spanier reichen Räucherschinken-Häppchen, und die Skandinavier Wein oder Bier. "Have you got somenthing without Alkohol?" No- it´s a Scandinavian reception! lautet die deutungsfähige Antwort. Noch Stunden später haben die Filmhändler diese rosige Farbe in den Gesichtern...
Tag 4 - RefugienEinige reisen bereits ab, nehmen den Flieger am Montagabend, Andere, die man so sehr hierher gesehnt hätte, konnten nicht kommen. Abends Empfang im Tucher am Pariser Platz. Menschenleerer Platz, vereiste spiegelglatte Straßen und Gehwege, auch Berlin irgendwie. Auf den Empfängen, im Filmmarkt, in den Kinofoyers,- hier ist überall Haltung gefordert. Man gibt sich (außer bei skandinavischen Empfängen) nicht die geringste Blöße- man lächelt, strahlt Erfolg und Zuversicht aus. Die Programmer, die für die Festivals Filme sichten, die Vertriebsleute, die ihre Pakete verkaufen wollen, die Redakteure, die keine Lust mehr haben, darauf zu antworten, weshalb ihr Programm immer schlechter wird, die Vertreter der Verleihe, jener, die es noch gibt und jener die es mal gab, die Schauspieler, die im letzten Jahr nur ganze zwei Drehtage hatten. Sie alle lächeln auch wenn Ihnen die Stimme wegbleibt oder der Magen schon gar nicht mehr weiß, wie man Essen überhaupt buchstabiert. Doch zum Glück gibt es auch noch die Refugien der glitzernden Filmwelt. Die Imbissketten in den und um die Arkaden. Dort sieht man sie in den Pausen, zurückgezogen, irgendwo auf den hinteren Plätzen, vorzugsweise allein (einmal für 10 Minuten nicht reden müssen), erschöpft, privat, Menschen allein mit sich und einem Quadrat Pizza, dem Fischfilet mit Pommes oder dem Extra-Menü, Hauptsache einen Moment lang Ruhe. Auch wenn es schwer fällt, und Sie doch schon so lange einmal mit dem Vorstand von... dem Redakteur des... oder der Hauptdarstellerin aus... sprechen wollten- haben Sie ein Herz und lassen Sie die Filmflüchtlinge allein. Auch wenn es Sie noch so sehr reizt, sich mit Ihrem Tablett an den Tisch zu setzen und mit einem unverfänglichen " Auch Pizza Funghi?" ein unvergessliches Projektgespräch anzubahnen, tun Sie es nicht. Aber nach Ende der Pause, wenn sie alle aus den anonymen Klosterstuben unserer Zivilisation zurückkehren in den Festivalrahmen, wenn sie ihr Lächeln wiedergefunden haben, dann sollte Sie nichts davon abhalten, einmal höflich "Hallo" zu sagen. Tag 5 - Muss man mal sehenDie Stadt ist steigerungsfähig! Heute ganztägig Schneeregen, abends dann Schneematsch und Ostwind überall. Frühstücks-Kodak-Empfang bei den Würtembergern, ganz viele junge Gesichter, die Company setzt erfreulicherweise bewusst auch auf den filmischen Nachwuchs und verteilt die Einladungen traditionell nicht nur an Großkunden in dunklen Anzügen. An den Besprechungstischen im Filmmarkt bemühte Erklärungsversuche eines coolen Jungproduzenten, ein Kurzleergang quasi in Sachen Verkaufsgespräche: "Bei dem einen Stoff hat sichs bisschen gezogen, das lag wohl daran, dass die Redakteure was anderes wollten. Aber dann gab es wieder Finanzierungsgeschichten, dann war die Großmutter des Regisseurs erkrankt. Dann hatten wir wieder ne längere Recherchestrecke, naja, muss man mal sehen. Angeplant ist das Ganze wohl ziemlich gut, aber trotzdem, genau kann man das nie vorhersehen.! Hauptsache da wird was draus. Tia, das Projekt wird halt sehr kompliziert deshalb wird es auch etwas länger brauchen, das muss man sehen. Abwarten, am Besten abwarten!" Das werden sich potentielle Förderer und Finanziers wohl auch zu Herzen nehmen und was das Vorhaben angeht, vorerst "abwarten"... Abends dann WDR-Empfang im Hyatt mit warnenden Worten, die Arbeitsmöglichkeiten für die Produzenten könnten nur aufrechterhalten werden, wenn die Fernsehgebühren auch wirklich erhöht würden. Das die bisherigen Gebühren knapp oberhalb der Armutsgrenze liegen belegte das feine Neo-Asiatische Finger-Food, welches ausgezeichnet war. Einige nette und einige Unnette Leute gesehen und einen entspannten Fernsehspielchef als Gastgeber, der wohl viel lieber ganz andere Fernsehspiele machen würde, ein radikaler Independent sozusagen, ohne es wirklich von sich selbst zu wissen. Danach dann die Kanadier in Berlin Mitte, Neue Schönhauser Straße. Ja, der legendäre kanadische Empfang, oder wie sie es nennen Party. Entsprechend anders (abgedunkelter, verräucherter -Graus! ich dachte das sei Vergangenheit) war die Location. Erstaunlich, wie unverkrampft Empfänge sein und wie offen selbst hochrangige Vertreter der kanadischen Filmindustrie sein können. Man beklagt, dass das kanadisch-deutsche Koproduktionsabkommen noch immer nicht unterschrieben sei, doch das läge an politischen Veränderungen in Kanada. Ja und das Interesse der Kanadier für kanadische Filme sei verschwindend gering in Amerikas Nachbarland, wo alle ohnehin US-Fernsehen und US-Blockbuster im Kino schauen. Das Phänomen kennen wir doch irgendwoher. Jemand vermisst, der letztes Jahr da war. Irgendwann durch den Berliner Schneematsch ins Quartier zurückgeschlittert.
Tag 6- PlastiksterneMorgens beginnt der Tag gleich stilecht am Gendarmenmarkt im Capital-Club. Als wäre er aus einem Bond- Film kennt der Aufzug in die oberste Etage des Hilton nur die oberste Etage. Ganz wie Pierce Brosnan hat man gar keine andere Chance, als der Einladung der Filmanwälte zum Early Morning Brunch zu folgen. Aber im Gegensatz zu Bond sind wir nicht gekidnappt,- dort wollten wir ja hin. In gelöster Atmosphäre geht es einmal nicht um Verträge, Regelungen und Ausnahmen, sondern um ein feines Frühstück. Bei Croissant und Confitüre sind Anwälte eben auch nur Menschen. Fahrt mit der U-Bahn, beinahe den Kopf gerammt- da hängen überall Displays auf denen kleine Filme gezeigt werden. Berlinale allerorten, ein flotter Mix aus Berlinale-Bildern, nur ein Bruchteil aller Umarmungen am roten Teppich, eingerahmt in Folgewerbung für Mittel gegen Schuppenflechte- irgendwie rauben die verspielten Berlinale-Akteure den Pharma-Spots doch jede Authentizität. Noch filmischer wird es, wenn man zum 5 Mal am selben Tag in der U-Bahn kontrolliert wird, die Verkehrsbetriebe scheinen alle Arbeitslosen zu Fahrscheinkontrolleuren umgeschult zu haben, häufig fahren mehr Kontrolleure im Abteil als Fahrgäste. Stilsicher greifen die Damen und Herren wie Mitglieder einer Unterwelt-Gang um Jean Gabin oder Alain Delon, mal eine Mutter mit Kind, mal einen älteren Herrn ab und zerren sie aus dem Zug. Möchte nicht wissen, wie viele internationale Festivalbesucher in ähnlicher Weise aus den Filmträumen gezerrt wurden. Es liegt ein Duft von Film Noir über der Stadt... Am späten Nachmittag der Saarland- und Ophüls-Preis Empfang. Gute Gespräche und von landestypischen Weinen stimulierte Gäste, darunter auch viele Franzosen, die man auf den anderen Empfängen eher vermisst hat. Nachbarn besuchen sich nun mal etwas öfter. Auch hier ein ähnliches Bild wie an den Vortagen, vermisse Kollegen, die in früheren Jahren stets am Festival teilgenommen hatten. Irgend etwas ist anders. Ja und dann am Abend das heimliche Juvel,- der Hofer Filmtage-Empfang bei dem Heinz Badewitz und sein Hofer Team jeden Gast in der gewohnten Herzlichkeit begrüßen und eifrig um aller Wohl besorgt sind. Ein Gastgeber der die Gäste einander vorstellt, ihnen Plätze dort zuweist, wo sie am besten aufgehoben sind. Der längste Empfang von allen, beinahe sechs Stunden lang, aber eben ganz anders. Ein Abend unter Freunden, viele Regiekollegen, nächtliche Heimfahrt mit eisigem Aufenthalt an der vertrauten Nachtbus-Haltestelle von der aus man die Sterne so schön beobachten kann. Warum sehen die hier so schön und in Filmen nur immer so plastikmäßig aus? Tag 7- Tief-Seh RauschMorgens der Bayerische Empfang, für Vegetarier immer wieder überraschend, wo überall man Fleisch in Form von Speckwürfeln oder Schinkenstreifen alles zufügen kann. Selbst in Backwaren, mit Ausnahme der Süßspeisen, die alles wieder gut gemacht haben (Vegetarier-technisch gesehen). Doch man kommt ja wegen der vielen Leute, die alle von München nach Berlin gekommen sind, um hier andere Münchner zu treffen, die man dort das ganze Jahr über nicht sah. Donnerstage sind merkwürdig auf der Berlinale. Die meisten Filmleute, die hier Geschäfte anbahnen oder tätigen, reisen an den Donnerstagen meistens ab, während diejenigen, die wie in einem Tief-Seh-Rausch einen Film nach dem anderen anschauen, bis zum Wochenende bleiben. Plötzlich gibt es wieder freie Stühle an den Ständen und freien Durchgang auf den Gängen des Filmmarktes. Überall schon Aufbruchstimmung, Menschen beladen mit Gepäck eilen zwischen den Ständen hindurch. Ja, der Filmmarkt. Noch immer begegnet man ausländischen Marktbesuchern, welch die deutsche Gasse, auch Boulevard genannt, gar nicht kennen. Im Gegensatz zu einem Boulevard auf dem man flaniert, gibt es hier kaum Laufkundschaft. Kluge Ladenbesitzer würden hier keinen Shop eröffnen, es sei denn sie böten Spezialitäten an, die es sonst nirgendwo gibt und weshalb die Kunden auch Umwege nicht scheuten. Noch kann man aber nicht vom deutschen Film als kulinarische Finesse oder handwerkliche Spitzenware sprechen. So beklagen auch diverse deutsche Exporteure die abgeschiedene, ausgrenzende Lage des versteckten Seitengangs im Filmmarkt als Sackgasse. Fragt man nach Veränderungsmöglichkeiten wird auf bestehende 10-Jahresverträge hingewiesen. Vier Jahre davon sind schon vorbei, ab 2010 werden dann wohl die deutschen Filmexporte sprunghaft ansteigen. Die Berliner strömen in die Kinos, allein dieser Anblick voller Säle lässt einem das Herz aufgehen. Man wird ganz heiter und mild gestimmt - mit Folgen: Am Ticketschalter lauern erstmals Kartenjäger, aber gleich in Scharen, die mir ganz ungeniert gleich das ganze eigene Kartenkontingent abschöpfen wollen und einen auch noch in ihre Abwägungen, welche Tickets, sie denn noch gerne abziehen möchten, einbeziehen. Demokratisch zwar, höflich auch, nur wann geh ich ins Kino?
8. Tag - NieselregenMehr und mehr Stände im Filmmarkt sind abgeräumt, zurück bleiben von dem, wo die vergangene Woche all Filmnationen die Filmkultur ihres Landes aus mehr oder weniger vielen Poren atmeten, ein paar Stellwände, zwei Tische, Stühle. Ein halbleeres Messegelände auf dem die verbliebenen Aussteller zum ersten Mal seit Beginn der Berlinale Luft holen können. Man gibt sich Tipps bei der Abreise: Nur nicht die nächsten Tage total relaxen, lieber weiterarbeiten, sonst wird der Körper krank nach zehn Tagen Dauerstress. Die vielen Kontakte, Gespräche, Vorvereinbarungen wollen ohnehin noch aufgearbeitet werden. Zu einer Bewertung, ob es denn ein erfolgreiches Festival war, will sich im Markt niemand hinreißen lassen. Die unterschiedlichen Grade des Lächelns beim Ja, Yes oder Oui sind nur schwer zu deuten, die Zeiten sind eben schwierig, auch für die meisten Filmhändler. Endlich einen weiteren Film angeschaut. In der Reihe Panorama, sprayten zwei Grafitty -Sprayer um die Wette, auf Digi-Beta gedreht und auf 35mm ausbelichtet. Es sah gar nicht so schlecht aus, wären da nur nicht die Treppen in den Diagonalen, jener Fluch der Halbbild-Welt. Wenn man sie endlich vergisst und auf eine Aussage der dünnen Geschichte wartet, lässt einen der US- Indieregisseur ziemlich im Nieselregen stehen, der auch draußen vor dem Kino die Bandbreite des Berlinale-Wetters erweitert. Es ist wie bei uns, Indie bedeutet nicht automatisch Qualität, ist aber die einzige Chance auf Themenvielfalt und kreative Erneuerung. Ja und dann ist da noch dieser fehlende Straßenübergang zwischen den Festivalkinos im Sony-Center und dem Festivalzentrum. Tagtäglich das gleiche Bild: Unaufhörlich rasen Autos mehrspurig vorüber, bis sich dann die ersten Festivalbesucher nach längerem Warten todesmutig, alle Konventionen vergessend, mitten in den Fahrzeugstrom hineinstürzen, erste Autos bremsen, weitere Besucher folgen nach. Der Verkehr kommt für einen Moment lang gänzlich zum Erliegen und die Filmbesessenen können selbstbewusst auf die andere Straßenseite gelangen. So ähnlich muss es sich wohl anfühlen, wenn man sich mit seinem freien, anderen Filmsujet zwischen den saturierten Strom der zumeist flachen Fernsehware wirft. Nicht den Mut verlieren, irgendwann hält jemand an. Schließlich hat Berlin deutlich gezeigt, dass herausragende heimische Filme trotz oder gerade wegen der immer stärkeren Konzentration kommerzieller Denkmuster noch seltener geworden sind. Berlin war wieder spannend, diese stachlige, liebenswerte Stadt, die sich so schwer umarmen lässt.
Mathias Allary, Februar 2004 |
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