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Internationaler Filmmarkt

Im legendären Martin Gropius-Bau findet erstmals der Filmmarkt statt.  

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Sonntag, 12. Februar

Neue Räume für die Dealer

German Filmgasse

Spiel und Spaß mit Deutschen Sendern

13. Februar

14. Februar

15.Februar

16.Februar

Berlinale 2006

Kritiken Filme 2006

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Berlinale

Movie-College haftet nicht für den Inhalt externer Seiten

 

Sonntag, 12. Februar

Wie klein der frühere Marktplatz, das Atrium im Hochhaus Eichhornstraße 3 immer war, bemerkt man schon allein daran, dass es der Festivalorganisation gelang, die Fläche beinahe vollständig und spielerisch geschickt mit einer gigantischen Warteschlangen-Straße zu füllen, in die sich die akkreditierten Kinowilligen fortan einreihen müssen um an Tickets zu gelangen. Berlinale Service-Center nennt sich das Ganze jetzt.

Solche Schlangen ist man sonst nur von den Briten gewohnt oder wenn Päpste versterben. Immerhin werden von einem der Sponsoren Mineralwasserflaschen gereicht, eine willkommene Hilfe beim Überleben in der Menge. Ja und dann sind da auch schon die ersten bekannten Gesichter, mit denen man an den jeweiligen Kurven der 5reihigen Schlange kurze Dialoge tauschen kann, bevor einen der Fortgang der Schlange wieder auseinanderreißt.

Nicht geändert hat sich die allseits gefürchtete Ticketknappheit: Die neuen Besucherrekorde, allein 18.000 Fachbesucher und 3800 Journalisten sollen es in diesem Jahr sein, machen sich an den Ticketschaltern schmerzlich bemerkbar.

Neue Räume für die Dealer

Media-Stand

Größer, aber nun gebührenpflichtig für Independent-Producer, die unter dem Schirm von Media auftreten wollen, der MEDIA-Desk 

Eigentlich waren die Räumlichkeiten nie ausreichend für den internationalen Filmmarkt, nicht in der Budapester Straße und nicht in der Eichhornstraße neben dem Berlinale-Palast. Viel zu viele Stände und viel zu viele Menschen machten den Filmmarkt stets zu einem anstrengenden Erlebnis. Die Klagen der Standbetreiber und der Besucher nahmen kontinuierlich zu.

Lange Zeit hat es gedauert bis eine neue Lösung bereitstand und in diesem Jahr war es endlich soweit: Der internationale Filmmarkt zog ein in den denkmalgeschützten Martin Gropius Bau. Ob der Platz für die Stände nun ausreicht, darüber lässt sich streiten, aber was die Möglichkeiten zur Kommunikation angeht, ist diese Lösung mit Sicherheit ein Gewinn. Zahlreiche Sessel, Stühle, Tische laden ein zu Gesprächen, Verhandlungen und Austausch mit den Branchenkolleg-inn-en.

Den einen oder anderen Stand findet man nur unter größeren Anstrengungen, etwa das ZDF, Kodak etc., andere wie die Spanier oder Media sind kaum zu übersehen und stark frequentiert. Auch die Franzosen, die schon in der Vergangenheit stets den größten und auffälligsten Stand hatten, haben wieder eine eigene Enklave gebildet und feiern ihr liebstes Kulturgut, den Film angemessen.

German Filmgasse

German Films  

Ja die meisten deutschen Stände sind strategisch, darum wurde gewiss gekämpft, direkt vom Atrium aus bestens erreichbar. Und dennoch wirkt die Gestaltung und der Aufbau der Stände beengt und wenig einladend. Seltsam, dass ausgerechnet Filmleute so wenig über optische Wahrnehmung und Gestaltung zu wissen scheinen. 

Am stärksten präsent sind die öffentlich-rechtlich subventionierten deutschen Filmvertriebe, die Degeto und die Bavaria. 

Eine unabhängige Vertriebschefin an ihrem vergleichsweise winzigen Stand beklagt, dass die indirekten Fernsehtochterfirmen ihnen alle starken Titel wegschnappen würden, sodass für die unabhängigen Vertriebsfirmen kaum starke Titel übrig blieben.

Spiel und Spaß mit Deutschen Sendern

Der österreichische Produzent weiß nette Anekdoten zu erzählen von deutschen Redakteur-inn-en, die vergeblich versucht haben, wie sie es von deutschen Produktionen gewohnt waren, inhaltlich in Koproduktionen mit Österreich einzugreifen. Berichtet von dem grundsätzlich anderen Ansatz der österreichischen Filmförderung, in der keine Fernsehvertreter in den Auswahlgremien sitzen: Dort beantragt der Produzent zunächst die Förderung, wird sie gewährt, kann der ORF sich, falls Interesse vorhanden ist, beteiligen. 

Der große historische Irrtum, so wie in Deutschland den Fernsehanstalten Sitze in den Gremien zu geben und das Vorhandensein eines Senders als Quasi-Vorbedingung für eine Förderung zu stellen, konnte dort vermieden werden. Glückliches Österreich.

Perspektive deutsches Kino...

Ja und abends dann endlich den ersten Film gesehen, Wholetrain... fetter, manchmal etwas zu laut abgemischter Ton, starke Handkamera und gute Darsteller. Sehenswert.

13. Februar

Tucher

eeap-Empfang im Tucher  

Was nur soll man denken, wenn man hört, welche Selbstbedienungsmentalität sich bei den Fernsehsendern breit macht. Es geht das Gerücht, dass im Norden des Landes inzwischen Telenovelas aus Filmfördertöpfen reich gefördert werden. Vielleicht auch eine Erklärung, weshalb so viele Kinofilme bei uns wie Fernsehen aussehen.

Heute glich der Gendarmenmarkt einem Hochsicherheitsbereich. Das große Essen mit Stars und Eintrittskarten zu astronomischen Preisen von einigen hundert Euro pro Karte stand an und entsprechend massiv wurde das Terrain von Sicherheitskräften abgeschirmt. Firmen, die gleich größere Tische buchen kriegen angeblich geringfügigen Rabatt.

Überhaupt spürt man allerorten, dass das Festival Einnahmen generieren muss. So kriegt man mit seiner Akkreditierung keinen Katalog mehr, den muss man trotz stolzer Akkreditierungsgebühr von 50 Euro dazukaufen, und auch verdächtig viele Berlinale- Souvenirstände säumen den Weg des Filmsuchenden.

Arte Empfang in der Akademie der Künste

arte

arte-Empfang in der Akademie der Künste  

Um 17 Uhr den Pariser Platz aufgesucht, zum beliebten Arte-Empfang. Jener Sender, der noch einen Rest von dem bewahrt hat, von dem Viele gehofft hatten, dass so Fernsehen aussehen müsse. Wiedersehen mit vielen Kollegen und Freunden, die Ansprache mit der klaren Aufforderung zu mutigen und ungewöhnlichen Filmen gehört. 

Hey, liebe Freunde bei Arte, die Ihr keine direkten Aufträge an deutsche Produktionsfirmen vergeben dürft und euch faktisch nur an Produktionen von ARD und ZDF beteiligt,- sagt dass doch bitte all den ängstlichen, den von Fernsehdirektoren eingeschüchterten oder quotenhörigen Redakteuren dort,- die lehnen nämlich praktisch alle mutigen und ungewöhnlichen Projekte schlichtweg ab...

Die Sparzwänge erreichen mehr und mehr auch die Förderer, erfährt man von den Fondsvertretern aus dem Süden und auch diverse Filmfestivalmacher in der Republik glauben verstärkt und wie im richtigen Märchen an die Macht der großen Sponsoren.

Wenn man eigentlich angetreten ist, eine möglichst starke Auswahl an Filmen auf die Beine zu stellen, kann Fund-Raising eine ungeahnte Mehrbelastung werden.

Palastfreuden

Es herrscht schon eine seltsame Atmosphäre, abends rund um den Berlinale-Palast. Überall rund um den roten Teppich stehen Schaulustige und erwarten einen Blick auf mehr oder weniger prominente Gesichter werfen zu können.

Das Fernsehteam lässt es krachen

Die blonde Moderatorin vom polnischen Fernsehen steht schon seit Stunden hell beleuchtet von zwei Scheinwerfern, vor der Absperrung, hinter ihr der Berlinale-Palast. Nebenan steht ein kleiner Ü-Wagen mit Satellitenschüssel, nicht weit davon rattert lautstark das Stromaggregat, um die Live- Übertragungen überhaupt mit Strom zu versorgen.

Warum nur haben all die anderen Ü-Wägen die rund um das Festival herumstehen, keine Stromaggregate? Nicht auszudenken, Hunderte von rasenmäherlauten Motoren, Formel 1 Rennen wären vergleichsweise ruhige Ereignisse...

Dienstag, 14. Februar

Ungewöhnlich und zugleich hocherfreulich zeigt sich Berlin mit Sonne und widerspricht damit den sonst gewohnten eisigen Berlinale-Erfahrungen. 

Die morgendliche Kinokartenschlange im Service-Center ist auch kleiner als sonst, vielleicht liegt es daran, dass man für die favorisierten Filme ohnehin keine Karten mehr kriegt. "Haben Sie denn noch irgendetwas um 15 Uhr oder so?" lautet die vielgehörte Devise.

Die auf den Filmen drehen

Kodak-Empfang

Kodak-Empfang  

Gegen 11 dann in der Landesvertretung von BW der Kodak-Empfang bei dem traditionell auch sehr viele Nachwuchs-Filmer zu Gast sind. Und natürlich die Kameraleute, die Assistenten, die Produzenten und einige Regisseure. 

Tapfer erläutern Einige, dass ja Tiefs auch heilsam sein könnten, oder dass man ja auch aus einfachen Erzählmustern (man meidet das Wort Telenovela) starke Bilder machen könne. Und immer mehr Kollegen streichen im Kopf die großen Licht-LKWs und denken über Reflektoren und vorhandenes Licht nach. 

Die Riesenteams sind auch mit Sicherheit keine Garantie für starke Filme. Allein, was sollen die Teilnehmer dieser ehemals großen Teams nur arbeiten? Die schrumpfenden Budgets deuten ja auch eher in Richtung Reflektoren...

Filmmarkt

Der Festival-Programmer der für ein kanadisches, griechisches und finnisches Festival auswählt, zeigt sich beeindruckt vom Gropius-Bau in dem das Tageslicht des großen Atriums scheinbar niemals dunkel wird. Allerdings hat er so seine Probleme mit den Treppen, Aufzüge in das obere Stockwerk scheint es nicht zu geben. Probleme hat er auch mit der Qualität der angebotenen Filme, vieles was heute gefeiert wird, hätte vor ein, zwei Jahrzehnten nur ein müdes Lächeln hervorgerufen. Die Suche nach starken Filmen sei schwerer geworden.

Hongkong Cocktail-Empfang

Hongkong

Hongkong im Palmenhof des Kaisersaals 

Der Empfang stellte die an der Berlinale teilnehmenden Regisseure vor und lud, das ist eine der Hauptaufgaben des Trade Development Councils, zum Besuch des Filmmarktes im März und der Entertainment Expo ein. 

Ein Berliner Radiosprecher bat die lautstark in Gespräche vertieften Gäste auf allzu deutsche Weise zur Ordnung und zeigte wenig Charme, geschweige denn Souveränität. 

Die hatten dafür aber die Chinesen und präsentierten sich als selbstbewusste und expansionsfreudige Filmnation.

Wortkreationen

Besonderes Kreativität zeigen die Berliner, wie sie sich auf das Filmfest eingestellt haben. An jeder Ecke lachen einem Wortschöpfungen entgegen, die das Ereignis würdigen. 

Während man Film-Cafés oder Film-Lounges ja noch gewohnt ist, sind Movie-Bus, Kino-Burger, Cine-Sandvich, Filim-Döner Kebab oder Berlinale-Donuts eher ungewöhnliche Zeichen der tiefen inneren Übereinstimmung mit dem Event.

Mittwoch, 15. Februar

Diese irritierende, allen Berlinale Erfahrungen widersprechende Sonne von Gestern ist verschwunden, hat einem zunächst diesigen, trüben und später dann verregneten Wetter Platz gemacht, gut so, zeig uns was Du drauf hast, Stadt...

Vormittags die befreundete Kostümbildnerin und eine Schauspielerin getroffen, neue Stories über Anmaßungen von TV-Redakteur-inn-en gehört. Wenn auch nur die Hälfte von den Geschichten wahr sind, dann sollte man dringend über diesen Berufsstand und seine Qualifikationsprofile intensiver nachdenken. Die Zahl derer, bei denen Position und Fähigkeiten übereinstimmen, scheint dramatisch abzunehmen. Interessant auch, dass praktisch alle Opfer diverser Anmaßungen von Seiten einzelner Redakteure, stets darüber schweigen. Man will es sich ja nicht verderben und auch weiterhin Projekte bei dem Sender unterbringen können...

Bus des Lebens

Wieder geniale Dialoge gehört in Kreuzberger Buslinie. Wie viele ungewöhnliche, schräge, meistens jede Drehbuchfantasie übertrumpfenden Sätze da so durch die öffentlichen Verkehrsmittel wabern, ist schon beeindruckend. Keine andere deutsche Großstadt bringt so viele filmreife Texte hervor. Seltsam, dass lediglich  ein Regisseur in Berlin sie mitzuschreiben scheint und regelmäßig erfolgreich verfilmt.

Ticket-Counter

Die Schlangen am Counter werden immer kürzer. Ob es daran liegt, dass man so gut wie gar keine Chance hat, für die gewünschten Filme Karten zu bekommen? Auf den Countern liegen Listen aus mit durchgestrichenen Filmen, jene die noch zu haben sind, spielen meist in den entfernteren Kinos oder sind bereits von der Presse gedisst worden.

Die Shuttle-Fahrerin nach der Bellevuestraße gefragt (wie sich später herausstellt, in Sichtweite der Haltestelle des Shuttle-Busses gelegen). Sie sei nicht aus Berlin und kenne gerade mal die kurze Strecke zwischen Potsdamer Platz und dem Gropius Bau mit dem Filmmarkt. (Einmal rechts, einmal links abbiegen).

Im Filmmarkt selber das gewohnte Bild und einmal mehr- helles von allen Witterungen unbeeindrucktes Tageslicht. Beeindruckend,- ob da wohl HMI Scheinwerfer weit oben über dem Milchglasdach leuchten?

Donnerstag, 16. Februar

Bavarian Reception

Die bayerische Filmbranche in der Behrenstraße

Der Empfang in der bayerischen Landesvertretung ist bestens besucht und überzeugt, für bayerische Schmankerl (Weißwurst, Leberkäse oder Rostbratwürschtl) untypisch, in Form von bunten Salaten auch Vegetarier. 

Schräge Geschichten gehört, über Mailanfragen aus Bollywood um Zusammenarbeit, die sich wenn die Angefragten dann erst mal in Vorleistungen gestürzt haben, als Spam erwiesen. Selbst schon solche Anfragen nach Locations, bitten um Kalkulationen gekriegt, lauter Dinge die viel Arbeit machen. Besonders perfide- die Mails sind gespickt mit Branchenwissen, nun überlegt der FFF, eine Art Checkliste weiterzugeben, welche die Österreicher wegen ähnlicher Erfahrungen bereits erstellt haben.

Nette Kollegen wiedergesehen, die einem in München das ganze vergangene Jahr nicht über den Weg gelaufen sind, nicht wenige die eigens für diesen Empfang angereist sind.

Unglaublich, wie viele die Nase voll haben von den bestehenden, Qualität im Film eher verhindernden  Machtstrukturen in der Fernsehlandschaft und deren permanentem Missbrauch. Einmal mehr von Kollegen gefragt worden, ob wir nichts organisieren können, um ein von den TV-Redaktionen unabhängiges Label aufzulegen, unter dem hochwertige Filme vertrieben werden können. Wir arbeiten daran. Es ist längst überfällig. Demnächst mehr dazu im Movie-College.

Abspann

Wie lange dauert ein Festival, wann ist es zu Ende, woran spürt, fühlt, schmeckt man das Ende? Ist es zu Ende, wenn sich an den Garderoben die Reisekoffer stapeln oder wenn es keine Schlangen mehr an den Ticket-Countern gibt oder wenn im Filmmarkt mehr verwaiste als belebte Stände anzutreffen sind, oder wenn die Festival-Bediensteten mit übervollen Müllsäcken Prospekte entsorgen, die wahrscheinlich erst vor kurzem extra für das Festival gedruckt worden sind?

Ist es zu Ende, wenn man alle Filme oder alle Gesprächspartner gesehen hat, oder wenn man die Geschenke für die Liebste/den Liebsten Daheim sucht? Wenn man selbst seinen Rollkoffer hinter sich herzieht?

Der Filmmarkt jedenfalls wirkt traurig, so halbverlassen, melancholisch und gar nicht mehr quirlig. Wenigstens ist das Wetter wieder gruselig, bei Sonne wäre es schwerer, wieder abzureisen. 

Dann siebeneinhalb Stunden Bahnfaaaahrt. In hübsch bezogenen zu schmalen Sesselchen mit Rückenschmerzgarantie. Warum tut man sich das an? Die noch in Berlin bleiben und das offizielle Ende des Festivals am Wochenende abwarten, drücken sich nur vor der Rückreise. Glaubt Euch nicht zu sicher,- aufgeschoben ist nicht aufgehoben... 

 
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