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Im legendären Martin Gropius-Bau findet
erstmals der Filmmarkt statt. |
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Sonntag, 12. Februar
Wie klein der frühere Marktplatz, das Atrium im
Hochhaus Eichhornstraße 3 immer war, bemerkt man schon allein daran, dass
es der Festivalorganisation gelang, die Fläche beinahe vollständig und
spielerisch geschickt mit einer gigantischen Warteschlangen-Straße zu
füllen, in die sich die akkreditierten Kinowilligen fortan einreihen
müssen um an Tickets zu gelangen. Berlinale Service-Center nennt sich das
Ganze jetzt.
Solche Schlangen ist man sonst nur von den Briten
gewohnt oder wenn Päpste versterben. Immerhin werden von einem der
Sponsoren Mineralwasserflaschen gereicht, eine willkommene Hilfe beim
Überleben in der Menge. Ja und dann sind da auch schon die ersten
bekannten Gesichter, mit denen man an den jeweiligen Kurven der 5reihigen
Schlange kurze Dialoge tauschen kann, bevor einen der Fortgang der
Schlange wieder auseinanderreißt.
Nicht geändert hat sich die allseits gefürchtete
Ticketknappheit: Die neuen Besucherrekorde, allein 18.000 Fachbesucher und
3800 Journalisten sollen es in diesem Jahr sein, machen sich an den
Ticketschaltern schmerzlich bemerkbar.
Neue Räume für die Dealer
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Größer, aber nun gebührenpflichtig
für Independent-Producer, die unter dem Schirm von Media auftreten
wollen, der MEDIA-Desk |
Eigentlich waren die Räumlichkeiten nie ausreichend
für den internationalen Filmmarkt, nicht in der Budapester Straße und
nicht in der Eichhornstraße neben dem Berlinale-Palast. Viel zu viele
Stände und viel zu viele Menschen machten den Filmmarkt stets zu einem
anstrengenden Erlebnis. Die Klagen der Standbetreiber und der Besucher
nahmen kontinuierlich zu.
Lange Zeit hat es gedauert bis eine neue Lösung
bereitstand und in diesem Jahr war es endlich soweit: Der internationale
Filmmarkt zog ein in den denkmalgeschützten Martin Gropius Bau. Ob der
Platz für die Stände nun ausreicht, darüber lässt sich streiten, aber
was die Möglichkeiten zur Kommunikation angeht, ist diese Lösung mit
Sicherheit ein Gewinn. Zahlreiche Sessel, Stühle, Tische laden ein zu
Gesprächen, Verhandlungen und Austausch mit den Branchenkolleg-inn-en.
Den einen oder anderen Stand findet man nur unter
größeren Anstrengungen, etwa das ZDF, Kodak etc., andere wie die Spanier
oder Media sind kaum zu übersehen und stark frequentiert. Auch die
Franzosen, die schon in der Vergangenheit stets den größten und
auffälligsten Stand hatten, haben wieder eine eigene Enklave gebildet und
feiern ihr liebstes Kulturgut, den Film angemessen.
German Filmgasse
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German Films |
Ja die meisten deutschen Stände sind strategisch,
darum wurde gewiss gekämpft, direkt vom Atrium aus bestens erreichbar.
Und dennoch wirkt die Gestaltung und der Aufbau der Stände beengt und
wenig einladend. Seltsam, dass ausgerechnet Filmleute so wenig über
optische Wahrnehmung und Gestaltung zu wissen scheinen.
Am stärksten präsent sind die öffentlich-rechtlich
subventionierten deutschen Filmvertriebe, die Degeto und die
Bavaria.
Eine unabhängige Vertriebschefin an ihrem
vergleichsweise winzigen Stand beklagt, dass die indirekten
Fernsehtochterfirmen ihnen alle starken Titel wegschnappen würden, sodass
für die unabhängigen Vertriebsfirmen kaum starke Titel übrig blieben.
Spiel und Spaß mit Deutschen Sendern
Der österreichische Produzent weiß nette Anekdoten
zu erzählen von deutschen Redakteur-inn-en, die vergeblich versucht
haben, wie sie es von deutschen Produktionen gewohnt waren, inhaltlich in
Koproduktionen mit Österreich einzugreifen. Berichtet von dem
grundsätzlich anderen Ansatz der österreichischen Filmförderung, in der
keine Fernsehvertreter in den Auswahlgremien sitzen: Dort beantragt der
Produzent zunächst die Förderung, wird sie gewährt, kann der ORF sich,
falls Interesse vorhanden ist, beteiligen.
Der große historische Irrtum, so wie in Deutschland
den Fernsehanstalten Sitze in den Gremien zu geben und das Vorhandensein
eines Senders als Quasi-Vorbedingung für eine Förderung zu stellen,
konnte dort vermieden werden. Glückliches Österreich.
Perspektive deutsches Kino...
Ja und abends dann endlich den ersten Film gesehen,
Wholetrain... fetter, manchmal etwas zu laut abgemischter Ton, starke
Handkamera und gute Darsteller. Sehenswert.
13. Februar
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eeap-Empfang im Tucher |
Was nur soll man denken, wenn man hört, welche
Selbstbedienungsmentalität sich bei den Fernsehsendern breit macht. Es
geht das Gerücht, dass im Norden des Landes inzwischen Telenovelas aus
Filmfördertöpfen reich gefördert werden. Vielleicht auch eine
Erklärung, weshalb so viele Kinofilme bei uns wie Fernsehen aussehen.
Heute glich der Gendarmenmarkt einem
Hochsicherheitsbereich. Das große Essen mit Stars und Eintrittskarten zu
astronomischen Preisen von einigen hundert Euro pro Karte stand an und
entsprechend massiv wurde das Terrain von Sicherheitskräften abgeschirmt.
Firmen, die gleich größere Tische buchen kriegen angeblich
geringfügigen Rabatt.
Überhaupt spürt man allerorten, dass das
Festival Einnahmen generieren muss. So kriegt man mit seiner
Akkreditierung keinen Katalog mehr, den muss man trotz stolzer
Akkreditierungsgebühr von 50 Euro dazukaufen, und auch
verdächtig viele Berlinale- Souvenirstände säumen den Weg des
Filmsuchenden.
Arte Empfang in der Akademie der Künste
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arte-Empfang in der Akademie der Künste |
Um 17 Uhr den Pariser Platz aufgesucht, zum beliebten
Arte-Empfang. Jener Sender, der noch einen Rest von dem bewahrt hat, von
dem Viele gehofft hatten, dass so Fernsehen aussehen müsse. Wiedersehen
mit vielen Kollegen und Freunden, die Ansprache mit der klaren
Aufforderung zu mutigen und ungewöhnlichen Filmen gehört.
Hey, liebe Freunde bei Arte, die Ihr keine direkten
Aufträge an deutsche Produktionsfirmen vergeben dürft und euch faktisch
nur an Produktionen von ARD und ZDF beteiligt,- sagt dass doch bitte all
den ängstlichen, den von Fernsehdirektoren eingeschüchterten oder
quotenhörigen Redakteuren dort,- die lehnen nämlich praktisch alle
mutigen und ungewöhnlichen Projekte schlichtweg ab...
Die Sparzwänge erreichen mehr und mehr auch die
Förderer, erfährt man von den Fondsvertretern aus dem Süden und auch
diverse Filmfestivalmacher in der Republik glauben verstärkt und wie im
richtigen Märchen an die Macht der großen Sponsoren.
Wenn man eigentlich angetreten ist, eine möglichst
starke Auswahl an Filmen auf die Beine zu stellen, kann Fund-Raising eine
ungeahnte Mehrbelastung werden.
Palastfreuden
Es herrscht schon eine seltsame Atmosphäre, abends
rund um den Berlinale-Palast. Überall rund um den roten Teppich stehen
Schaulustige und erwarten einen Blick auf mehr oder weniger prominente
Gesichter werfen zu können.
Das Fernsehteam lässt es krachen
Die blonde Moderatorin vom polnischen
Fernsehen steht schon seit Stunden hell beleuchtet von zwei Scheinwerfern,
vor der Absperrung, hinter ihr der Berlinale-Palast. Nebenan steht ein kleiner Ü-Wagen
mit Satellitenschüssel, nicht weit davon rattert lautstark das
Stromaggregat, um die Live- Übertragungen überhaupt mit Strom zu
versorgen.
Warum nur haben all die anderen Ü-Wägen die rund um
das Festival herumstehen, keine Stromaggregate? Nicht auszudenken, Hunderte von rasenmäherlauten Motoren, Formel 1 Rennen wären
vergleichsweise ruhige Ereignisse...
Dienstag, 14. Februar
Ungewöhnlich und zugleich hocherfreulich zeigt sich
Berlin mit Sonne und widerspricht damit den sonst gewohnten eisigen
Berlinale-Erfahrungen.
Die morgendliche Kinokartenschlange im Service-Center
ist auch kleiner als sonst, vielleicht liegt es daran, dass man für die
favorisierten Filme ohnehin keine Karten mehr kriegt. "Haben Sie denn
noch irgendetwas um 15 Uhr oder so?" lautet die vielgehörte Devise.
Die auf den Filmen drehen
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Kodak-Empfang |
Gegen 11 dann in der Landesvertretung von BW der
Kodak-Empfang bei dem traditionell auch sehr viele Nachwuchs-Filmer zu
Gast sind. Und natürlich die Kameraleute, die Assistenten, die
Produzenten und einige Regisseure.
Tapfer erläutern Einige, dass ja Tiefs auch heilsam
sein könnten, oder dass man ja auch aus einfachen Erzählmustern (man
meidet das Wort Telenovela) starke Bilder machen könne. Und immer mehr
Kollegen streichen im Kopf die großen Licht-LKWs und denken über
Reflektoren und vorhandenes Licht nach.
Die Riesenteams sind auch mit Sicherheit keine
Garantie für starke Filme. Allein, was sollen die Teilnehmer dieser
ehemals großen Teams nur arbeiten? Die schrumpfenden Budgets deuten ja
auch eher in Richtung Reflektoren...
Filmmarkt
Der Festival-Programmer der für ein kanadisches,
griechisches und finnisches Festival auswählt, zeigt sich beeindruckt vom
Gropius-Bau in dem das Tageslicht des großen Atriums scheinbar niemals
dunkel wird. Allerdings hat er so seine Probleme mit den Treppen, Aufzüge
in das obere Stockwerk scheint es nicht zu geben. Probleme hat er auch mit
der Qualität der angebotenen Filme, vieles was heute gefeiert wird,
hätte vor ein, zwei Jahrzehnten nur ein müdes Lächeln hervorgerufen.
Die Suche nach starken Filmen sei schwerer geworden.
Hongkong Cocktail-Empfang
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Hongkong im Palmenhof des Kaisersaals |
Der Empfang stellte die an der Berlinale
teilnehmenden Regisseure vor und lud, das ist eine der Hauptaufgaben des
Trade Development Councils, zum Besuch des Filmmarktes im März und der
Entertainment Expo ein.
Ein Berliner Radiosprecher bat die lautstark in
Gespräche vertieften Gäste auf allzu deutsche Weise zur Ordnung und
zeigte wenig Charme, geschweige denn Souveränität.
Die hatten dafür aber die Chinesen und
präsentierten sich als selbstbewusste und expansionsfreudige Filmnation.
Wortkreationen
Besonderes Kreativität zeigen die Berliner, wie sie
sich auf das Filmfest eingestellt haben. An jeder Ecke lachen einem
Wortschöpfungen entgegen, die das Ereignis würdigen.
Während man Film-Cafés oder Film-Lounges ja noch
gewohnt ist, sind Movie-Bus, Kino-Burger, Cine-Sandvich, Filim-Döner
Kebab oder Berlinale-Donuts eher ungewöhnliche Zeichen der tiefen inneren
Übereinstimmung mit dem Event.
Mittwoch, 15. Februar
Diese irritierende, allen Berlinale Erfahrungen
widersprechende Sonne von Gestern ist verschwunden, hat einem zunächst
diesigen, trüben und später dann verregneten Wetter Platz gemacht, gut
so, zeig uns was Du drauf hast, Stadt...
Vormittags die befreundete Kostümbildnerin und eine
Schauspielerin getroffen, neue Stories über Anmaßungen von
TV-Redakteur-inn-en gehört. Wenn auch nur die Hälfte von den Geschichten
wahr sind, dann sollte man dringend über diesen Berufsstand und seine
Qualifikationsprofile intensiver nachdenken. Die Zahl derer, bei denen
Position und Fähigkeiten übereinstimmen, scheint dramatisch abzunehmen.
Interessant auch, dass praktisch alle Opfer diverser Anmaßungen von
Seiten einzelner Redakteure, stets darüber schweigen. Man will es sich ja
nicht verderben und auch weiterhin Projekte bei dem Sender unterbringen
können...
Bus des Lebens
Wieder geniale Dialoge gehört in Kreuzberger
Buslinie. Wie viele ungewöhnliche, schräge, meistens jede
Drehbuchfantasie übertrumpfenden Sätze da so durch die öffentlichen
Verkehrsmittel wabern, ist schon beeindruckend. Keine andere deutsche
Großstadt bringt so viele filmreife Texte hervor. Seltsam, dass
lediglich ein Regisseur in Berlin sie mitzuschreiben scheint und
regelmäßig erfolgreich verfilmt.
Ticket-Counter
Die Schlangen am Counter werden immer kürzer. Ob es
daran liegt, dass man so gut wie gar keine Chance hat, für die
gewünschten Filme Karten zu bekommen? Auf den Countern liegen Listen aus
mit durchgestrichenen Filmen, jene die noch zu haben sind, spielen meist
in den entfernteren Kinos oder sind bereits von der Presse gedisst worden.
Die Shuttle-Fahrerin nach der Bellevuestraße gefragt
(wie sich später herausstellt, in Sichtweite der Haltestelle des
Shuttle-Busses gelegen). Sie sei nicht aus Berlin und kenne gerade mal die
kurze Strecke zwischen Potsdamer Platz und dem Gropius Bau mit dem
Filmmarkt. (Einmal rechts, einmal links abbiegen).
Im Filmmarkt selber das gewohnte Bild und einmal
mehr- helles von allen Witterungen unbeeindrucktes Tageslicht.
Beeindruckend,- ob da wohl HMI Scheinwerfer weit oben über dem
Milchglasdach leuchten?
Donnerstag, 16. Februar
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Die bayerische Filmbranche in der
Behrenstraße |
Der Empfang in der bayerischen Landesvertretung ist
bestens besucht und überzeugt, für bayerische Schmankerl (Weißwurst,
Leberkäse oder Rostbratwürschtl) untypisch, in Form von bunten Salaten
auch Vegetarier.
Schräge Geschichten gehört, über Mailanfragen aus
Bollywood um Zusammenarbeit, die sich wenn die Angefragten dann erst mal
in Vorleistungen gestürzt haben, als Spam erwiesen. Selbst schon solche
Anfragen nach Locations, bitten um Kalkulationen gekriegt, lauter Dinge
die viel Arbeit machen. Besonders perfide- die Mails sind gespickt mit
Branchenwissen, nun überlegt der FFF, eine Art Checkliste weiterzugeben,
welche die Österreicher wegen ähnlicher Erfahrungen bereits erstellt
haben.
Nette Kollegen wiedergesehen, die einem in München
das ganze vergangene Jahr nicht über den Weg gelaufen sind, nicht wenige
die eigens für diesen Empfang angereist sind.
Unglaublich, wie viele die Nase voll haben von den
bestehenden, Qualität im Film eher verhindernden Machtstrukturen in
der Fernsehlandschaft und deren permanentem Missbrauch. Einmal mehr von
Kollegen gefragt worden, ob wir nichts organisieren können, um ein von
den TV-Redaktionen unabhängiges Label aufzulegen, unter dem hochwertige
Filme vertrieben werden können. Wir arbeiten daran. Es ist längst
überfällig. Demnächst mehr dazu im Movie-College.
Abspann
Wie lange dauert ein Festival, wann ist es zu Ende,
woran spürt, fühlt, schmeckt man das Ende? Ist es zu Ende, wenn sich an
den Garderoben die Reisekoffer stapeln oder wenn es keine Schlangen mehr
an den Ticket-Countern gibt oder wenn im Filmmarkt mehr verwaiste als
belebte Stände anzutreffen sind, oder wenn die Festival-Bediensteten mit
übervollen Müllsäcken Prospekte entsorgen, die wahrscheinlich erst vor
kurzem extra für das Festival gedruckt worden sind?
Ist es zu Ende, wenn man alle Filme oder alle
Gesprächspartner gesehen hat, oder wenn man die Geschenke für die
Liebste/den Liebsten Daheim sucht? Wenn man selbst seinen Rollkoffer
hinter sich herzieht?
Der Filmmarkt jedenfalls wirkt traurig, so
halbverlassen, melancholisch und gar nicht mehr quirlig. Wenigstens ist
das Wetter wieder gruselig, bei Sonne wäre es schwerer, wieder
abzureisen.
Dann siebeneinhalb Stunden Bahnfaaaahrt. In hübsch
bezogenen zu schmalen Sesselchen mit Rückenschmerzgarantie. Warum tut man
sich das an? Die noch in Berlin bleiben und das offizielle Ende des
Festivals am Wochenende abwarten, drücken sich nur vor der Rückreise.
Glaubt Euch nicht zu sicher,- aufgeschoben ist nicht aufgehoben...
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