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Berlinale 2007

Eisregen und Weihnachtsbeleuchtung- Special Effects vom Wetter.  

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Sonntag, 11. Februar

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Donnerstag 15. Februar

Berlinale 2006

Kritiken Filme 2006

Kritiken Filme 2007

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Berlinale

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Sonntag, 11. Februar

Niemand weiß so recht, wie diese Stadt das so macht, aber pünktlich zur Berlinale wird das Wetter überwiegend gruselig. Vielleicht ist das Wetter der Grund, weshalb sich so viele Zuschauer in die Kinos flüchten, vor Eisregen, Schnee oder simplen Regenschauern, statt irgendwo entspannt durch die Straßen zu flanieren.

Der Abend jedenfalls verwandelte die Stadt stellenweise in eine eisglatte Fläche. Rund um den Pariser Platz sah man zahlreiche Gäste der verschiedenen Empfänge (MEDIA, und EEAP) in Abendgarderobe über vereistes Kopfsteinpflaster schleichen, hilflos den Widrigkeiten des Wetters und der Schuhmode ausgeliefert.

Ob Stöckelabsätze gegenüber handgenähten Ledersohlen bei Glatteis im Vor- oder Nachteil sind, konnte man nicht wirklich ausmachen. Zu einem Empfang geht man eben nicht in wetterfestem Schuhwerk, ein wenig Leidensbereitschaft kann nichts schaden. Wer dann die Empfänge sicher erreichte, wurde belohnt durch locker Atmosphäre und temporeiche Lifemusik.

Montag, 12. Februar

Morgens ist von dem Glatteis nichts mehr zu spüren, Tauwetter ist angesagt. Ab Mittags dann Dauerregen. Der Empfang der Cinemedia im Tipi-Zelt vor dem Bundeskanzleramt, einer Art Cabarét oder Kleinkunst-Bühne mit viel rotem Plüsch brachte ein Wiedersehen vielen Kolleg-inn-en mit sich. Ein Damenquartett mit jazztauglichen Blasinstrumenten spielte auf und zog auch bisweilen durch die Reihen der Gäste. 

Berlin1307

Nass, kalt, windig... Schutz findet man nur im gut beheizten Kino 

Besonders schöne Geste,- auch zahlreiche Ehemalige Mitarbeiter waren dort, man vergisst die früheren Weggefährten nicht und auch Kollegen vom konkurrierenden Postproduktion-Haus Arri waren eingeladen.

Einige KIno- und Vertriebsleute warnen vor den vielen neuen Filmverleihern, die eigentlich nur Fördergelder abziehen, sich aber nicht wirklich um die Filme kümmern, die sie verleihen. Insgesamt sind die Filmhersteller und Postproduktionsleute mit dem vergangenen Jahr sehr zufrieden. Plötzlich bemerken zahlreiche Produzenten, dass eigentlich nur Film eine vernünftige, langzeitstabile SIcherung der kostbaren Originalaufnahmen ermöglicht. Insbesondere wenn aufwändige Produktionen zukunftssicher für HD produziert werden sollen, ist Film nach wie vor optimal. 

Ja und dann gab es da noch diverse Horrorstories von den Arri-Leuten über digitale Produktionen, die Kunden auf Festplatte gespeichert hatten, und die sich dann fürs Ausbelichten auf Film nicht mehr abspielen ließen. Schöne neue digitale Welt.

Auf dem Fußweg zurück zum Potsdammer Platz geht man dann an diesen seltsamen Regierungsgebäuden vorbei, watet durch matschige Lehmwege,- irgendwie scheint bei all dem Architekturprotz das Geld ausgegangen zu sein und man konnte nur den Fußweg auf einer Straßenseite pflastern. Zum Glück regnet es und der Lehm frist sich ganz zärtlich ins Schuhwerk.

Er ist nicht gekommen...

Vielleicht täuscht ja der Eindruck, aber vielleicht auch nicht,- an allen Ecken und Enden hört man dieses Seufzen und schwere Atmen, wenn sich die weiblichen Festivalbesucher jenseits der 30 darüber austauschen, dass er nicht gekommen sei. Er, der doch eigentlich hätte kommen müssen, wo doch sein neuer Film hier Premiere hatte. Dieser Film bei dem Regisseur Soderberg den für unsere Ohren so fatalen Fehler beging, George Deutsch sprechen zu lassen. Selbst sprachbegabte Zuschauer hatten ernsthafte Schwierigkeiten, zu verstehen, was George (der Name tut nichts zur Sache, Clooney) da so auf Deutsch von sich gab.

Media-Stand

Im Gropius Bau werden Deals gemacht und Projekte bewegt 

Das muss man erst mal schaffen, irgendwo abwesend zu sein und gerade deshalb in aller (oder zumindest in einem Teil der) Munde zu sein. Viele Besucherinnen zeigen sich enttäuscht, auch weil Roberto (auch sein Name tut nichts zur Sache, De Niro), den sie als Plan B ins Auge gefasst hatten, sich so rar gemacht hat.

Nun bleibt praktisch nur noch die Pilgerfahrt an den Comer See, zum Anwesen von George in Laglio. Ist ohnehin auch von den Wetterverhältnissen mehr zu empfehlen als Berlin im Februar.

Nein, auch die Herren sind nicht wirklich Star-Resistent. Irgendwer hat tatsächlich Kate Blanchet fotografiert, der winzige Hinterkopf auf dem Foto aus größerer Entfernung soll sie jedenfalls gewesen sein. Beneidenswert, ein Einmaliges Dokument..

Der Filmmarkt im Gropius-Bau schien weniger bevölkert als im Vorjahr. Es läge an den großen Distanzen der verschiedenen Kinos voneinander, vermutet die Grand Dame der deutschen Filmvertriebe.

Dafür herrscht im DEBIS-Gebäude ungebrochene Nachfrage nach Kinokarten. Für Viele gibt es gegen Abend bereits keine einzige Kinokarte mehr für den nächsten Tag. 

Dienstag, 13. Februar

Kodak

Der traditionelle Kodak Empfang brachte einmal mehr Profis und Nachwuchs zusammen

Nein, das Wetter ist nicht wirklich besser geworden, Schirme und Regenjacken verderben nach wie vor jeden festlichen Dresscode. 

Vormittags eines der Berlinale-Rituale,- der Kodak Empfang in der Vertretung des Landes BW. Einige bekannte Gesichter, aber auch sehr viele Filmstudenten. Dafür dass es schlichtweg keine Einladungen mehr gab, waren überraschend viele Lücken in den Reihen, da hätten die 10 Filmstudenten, die ich gerne mitgenommen hätte, ganz entspannt hineingepasst. 

Die Kameraleute auf die ich mich gefreut hatte, sie wiederzusehen, waren nicht da. Wie so oft wurde überall ein wenig gefachsimpelt und philosophiert, wie lange Film denn noch als Trägermaterial existiere und welche Geheimpatente für digitale Bildverarbeitung Kodak denn vermutlich in den Schubladen liegen habe.

Die armen Gastgeber des Filmherstellers konnten, wie das so ist, erst gegen Ende der Veranstaltung, von den vielen Gesprächen ermattet, ein Häppchen vom feinen, nicht wirklich vegetarierfreundlichen Büffet nehmen. Badische Küche munkelt man, sei so.

Mittags gibt es bereits keine Karten mehr für die Filme zwischen Morgens und Abends am nächsten Tag. Das morgendliche Schlangestehen wird empfohlen und überhaupt gäbe es sieben Kategorien, von denen nur 3 im Debis-Center verwaltet würden. Andere Akkreditierungen hätten deutlich besseren Zugang zu Karten. Bitter.

Ob es an der Wahl des falschen Menschen am Counter lag?- Unter der Hand werden Tipps gehandelt, welche Counter-Strategie die Erfolgversprechendste ist um noch an Wunschkarten zu kommen. "Bei den Frauen kriegt man die schlechtesten Karten", so die einhellige Meinung- die machen alles total pflichtgemäß- aber wenn man bei den jungen Männern am Schalter ist, ermöglichen die manchmal auch Karten, die man eigentlich gar nicht kriegen dürfte.

HFF

Zum ersten Mal gab es einen HFF-Empfang mit vielen Studenten derselben, aber auch diversem Filmnachwuchs von der DFFB, der Babelsberger HFF und der Macromedia FH

Nachmittags dann in der Home Base der erste HFF-Empfang quasi auf fremden Boden. Eine freundschaftliche, gastliche und nicht unillustre Runde, die sich da zu Kaffee und Kuchen einfand. Einige ehemalige Mitstudenten getroffen, sogar ein paar Professoren waren zu sehen. Und natürlich jede Menge Filmstudenten,- aber warum nur qualmen die so viel,- den Zeitgeist völlig übersehen?

Zurück im Debis-Haus an den Ticketschaltern- gähnende Leere. Die Platzanweiser, welche bei langen Schlangen den Wartenden den nächsten freien Counter zuweisen, stehen ziemlich einsam da. Die Armen müssen das auch tun, wenn es gar keine Schlange gibt. So halt denn ihr dünnes "Nest please" durch die leere Halle. 

Im strömenden Regen dann weiter zum Pariser Platz. Irgendein weiblicher Gast verlässt, angeführt von einer Armada von Hotelboys mit Schirmen und gigantischem Gepäck das Hotel Adlon,- ja- ganz wie wir es aus dem Kino kennen. 

arte

Beim arte-Empfang gab es freundliche Gespräche und kleine Häppchen

Am frühen Abend dann der Arte-Empfang in der Kunstakademie. Wiedersehen mit zahlreichen Kollegen, Gespräche über die besten Verleih- Vertriebswege. Einhellige Meinung der meisten Befragten- Im Vertrieb lauern zwar die besten Gewinnmargen,- wie es nun mal so ist bei Maklern, aber bei den Produzenten, die für die Filme ins Risiko gingen gibt es so gut wie keine Rückflüsse.

Die Strukturen der Filmindustrie werden von fast allen Nachwuchsleuten beklagt,- außer solche Strukturen wie arte oder 3Sat,- die sind für ziemlich viele Zuschauer der Grund, weshalb sie ihre Fernseher noch nicht auf den Sperrmüll geworfen haben.

Gefreut, eine Jungschauspielerin wiederzusehen, die in einem Spielfilm eine Hauptrolle übernehmen sollte, der bisher nicht zustande kam. Sie kannte einen noch, war aber ganz woanders, sehr bemüht, potentielle neue Auftraggeber zu kontakten. Seltsam. Schauspieler sind so, sagt man. Manchmal.

 

Mittwoch, 14. Februar

Schlange

Die Ticketcounter verwalten den Mangel

Ja da war wieder dieser Empfang der Filmanwälte im Berlin Capital-Club, der diesen tollen Fahrstuhl ins oberste Stockwerk hat, aber nur einen einzigen Etagenknopf im Fahrstuhl, Sie wissen schon, wie in den James Bond- Filmen in den Kommandozentralen der Bösewichte. Nur in diesem Fall erwarteten die geladenen Gäste freundlich gestimmte Filmanwälte, frisches Backwerk und anregende Gespräche.

Danach schnell ins Debis- Hochhaus, Karten für den nächsten Tag... sagte ich Karten? Nein, wer mittags kommt braucht keine Kartenwünsche mehr äußern, selbst ein "Geben Sie mir irgendwas, egal, irgendwas das am Nachmittag läuft", führt zu keinem Filmerlebnis. Es gibt schlichtweg keine Karten mehr. Und weil sich das rumgesprochen hat, dass es einfach viel zu wenig Karten gibt, herrscht an den Countern ab Mittags weitgehend Leere. 

Die Absperrungen, welche den großen Ansturm der frühen Morgenstunden kanalisieren helfen, staken wie einsame Mahnmale eines unzureichenden Kartenangebots für die vielen Akkreditierten aus dem Marmorboden.

epdpreis

Preisverleihung bei der evangelischen Kirche

Irgend etwas ist heute anders- irritierend, untypisch und deutet das Ende der Berlinale an: Es regnet nicht mehr und das Wetter wird besser.

Später im Gropiusbau zeigt auch der Filmmarkt ernste Auflösungserscheinungen. War noch im Vorjahr der Donnerstag der allgemeine Aufbruchsstag, so waren diesmal bereits am Mittwoch die ersten Stände verwaist. 

Auf diese Weise haben selbst die sonst eher überlasteten Filmhändler Zeit zu einer kurzen Einführung für Filmstudenten in die Gesetze des Marktes. Der deutsche Vertriebschef erklärt, dass er immer nur mit dem Bauch entscheide, welche Filme er vertreibe und dass man natürlich auch Sicherheit haben müsse, dass der Film dem Publikum gefällt und nicht so verkünsteltes Zeug sei, das keiner sehen wolle. 

Die Bandbreite seiner Filme lässt sich an den Titeln ablesen und tatsächlich gibt es zwischen den Mainstreamfilmen hier und da auch Abweichungen. Ihn deshalb als Independent-Film-Vertrieb zu bezeichnen, wäre vermessen.

epdpreis

Preisverleihung mit Bodenbeleuchtung

Preise, Preise, Preise

Abends dann die Preisverleihung des relativ jungen EPD-Film Publikumspreises. EPD-Film ist eine der letzten Bastionen der Filmkritik, die sich weniger durch Pressetexte, dafür mehr durch das eigene Sehen beeindrucken lässt.

Einmal mehr wird "Das Leben der Anderen" ausgezeichnet. Einer der Produzenten, die Cutterin und die Kostümbildnerin, nicht aber der Regisseur, nehmen den Preis entgegen. Jene, die mit nach Los Angeles fliegen, machen sich ernsthafte Gedanken über die notwendige Garderobe... 

Beeindruckend der Mehrzwecksaal der evangelischen Kirche mit futuristischer Fußbodenbeleuchtung, welche den Raum als exzellente Location nicht nur für Science-Fiction Filme ausweist. 

Erfreuliche Nachricht- ein Ehemaliger aus dem Movie-College-Team, Bogdan Büchner erhält zur gleichen Zeit von "Hollywood Lectures" den zweiten Preis, der mit 1000,- Euro dotiert ist. Die Preisverleihung wirkt eher unorganisiert, wird irgendwie nebenher, schnell und ohne jede Art von Zeremonie abgehandelt. Drehbuchleute sollten eigentliche etwas mehr von Dramaturgie verstehen...

Donnerstag, 15. Februar

Fans

Schlangen von Fans, die unermüdlich am Hintereingang des Hyatt Hotels auf Stars warten

Zu früh gefreut, auch für heute hält die Stadt wieder alle Wetterschattierungen bereit, nur keine Wärme oder Sonne.

Donnerstage sind Abreisetage,- das spürt man einmal mehr an den vielen Gästen, die bereits mit Rollkoffer und Flugticket zu den letzten Empfängen eilen. Manche munkeln, dass, insbesondere auf dem Internationalen Filmmarkt, die Abreisen sogar schon am Mittwoch stattfinden und immer mehr Stände verweist sind.

Traditionell liegt auch der FFF Empfang in der bayerischen Vertretung eher gegen Ende der Berlinale. Während sich draußen vor dem Eingang zahlreiche Menschen ohne Einladung drängen und auf Einlass hoffen, feiert die bayerische Filmszene die Erfolge der letzten Monate bei zünftigen bayerischen Speisen wie Weißwurst, Leberkäs etc. (in Bayern gibt es keine Vegetarier...) und hervorragenden (auch vegetariertauglichen) Desserts.

Die für das Kartenprocedere Zuständigen leiden sichtlich darunter, ungeladene Gäste zurückweisen zu müssen und allen denkbaren und undenkbaren Behauptungen nachzugehen. Eigentlich will man ja Niemand verletzen oder zurückweisen und vielleicht lauern unter denen, die vor der Türe warten, ja die nächsten preiswürdigen Regietalente oder Schauspielstars.

Gropius-Bau

Donnerstage sind Abreisetage- auch auf dem internationalen Filmmarkt ist es spürbar ruhiger geworden

Klaus Schäfer wies auf die Erfolgsstory des FFF hin und nahm, wie bei solchen Gelegenheiten üblich, Rückzahlungsschecks für erfolgreiche Produktionen wie "Wilde Kerle" (Teile 1-3) oder "Sophie Scholl" entgegen.

Im Bierkeller des Hauses trifft man sich mit den Filmmenschen, die man eigentlich auch in München, von wo man angereist ist, treffen könnte. Aber in München schafft man es irgendwie nie, weil man zu viel zu tun hat oder die Situation weniger gemütlich, gastlich oder sonst wie unpassend ist.

Hier redet es sich leichter, unbefangener, kann man die aktuellen Projekte vorstellen, kann sich Rat holen, oder einfach nur ratschen. Familientreffen eben, bei dem auch zahlreiche Nicht-Bayern eingeladen sind und sich sichtlich wohlfühlen.

Der Sales-Mann aus Los-Angeles macht es vor, wie man Kontakte knüpft. Zielsicher bindet er so ziemlich Jeden am Tisch in Gespräche ein, fragt nach und erzählt selbst von Ideen und Aktivitäten. Und bald schon kennt Jeder Jeden am Tisch, ist über alle Vorhaben und Interessen informiert, ganz undeutsch und enorm praktisch. Das gehört zu einem großen Teil mit zum Geschäft- Lust darauf zu haben, mit Menschen zu kommunizieren.

Schließlich ist dann auch mein Aufenthalt in der Festivalstadt zu Ende. Noch eine langwierige U-Bahnfahrt zum Flughafen, auf der sich einmal mehr die schrägsten Geschichten zwischen Fahrgästen abspielen und zwangsläufig die Frage aufkommt, weshalb es neben Andreas Dresen kaum andere Regisseure gibt, die diesen unerschöpflichen Vorrat an skurrilen Figuren und merkwürdigsten Situationen für verfilmenswert erachten. 

Bisher wird Berlin vor allem als vielseitige Location betrachtet, wie vielseitig erst die Geschichten dieser Stadt sind, könnte deutlich mehr Beachtung finden.

 
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