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Berlinale 2008

Temperaturen knapp über 0 Grad erwarten die Festivalbesucher.  

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Berlinale

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Samstag, 7. Februar

Berlinale in Zeiten der Wirtschaftskrise. So richtig angekommen ist die ja noch nicht überall. Ich meine die Wirtschaftkrise, nicht die Berlinale. Sicher, man sieht es an den vielen leerstehenden Läden, Lokalen, hört hier und da von Leuten, die ihren Job verloren haben. 

Doch wie macht sie sich in der Filmbranche bemerkbar? Da hört man von einem sehr großen Postproduktionshaus, dass alle Mitarbeiter über 50 gekündigt wurden, man hört von Stellenabbau bei ORF und RBB. Doch wie spürt man Rezession auf einem Fest, das vor allem eines tut,- sich selbst und das Kino zu feiern?

Dass die Kosten für die Akkreditierungen rigide erhöht wurden wird vermutlich nicht an schierer Geldgier liegen, sondern daran, dass immer mehr Reihen und Events vielleicht nicht mehr so einfach von staatlichen Budgets und Sponsorengeldern bezahlt werden können.

Auf der Eröffnungsveranstaltung hörte man diesmal keine Live- Musik, man spielte die notwendigen Untermalungen vom Datenträger ab. Und auch die Appelle von Festivalchef Dieter Kosslick an die Festivalsponsoren ließen erahnen, dass auch dieses Thema nicht ganz an der Wirtschaftskrise vorbeikommt.

Und natürlich nimmt man auf Seiten des Festivals und der Sales-Leute das Wort "Bankenkrise" auch pausenlos in den Mund, um die Aktualität von Tom Tykwers "International" zu unterstreichen, dabei hat die Story außer ihrer Ansiedlung im Bankenmilieu rein gar nichts mit der aktuellen Bankenkrise zu tun. Doch wen interessiert das schon?

BerlinTicketstand

Die Ticketstände am Sonntag gegen 17 Uhr beinahe verwaist,- kein Wunder, es gibt praktisch keine Karten mehr.

Ansonsten glänzt Berlin einmal mehr mit seinem rauen Charme, den Filmkulissen, die gar keine sind und von realen Menschen bewohnt werden und die Andreas-Dresen Darsteller, die keine sind, sondern ganz normale Sterbliche auf den Straßen, in den U-Bahnen und Bussen. 

Auch dem Filmmarkt ist die Krise noch nicht anzumerken, neben den Ständen im Gropius-Bau haben sich auch wieder zahlreiche Vertriebsfirmen in den Hotels eingemietet und dort einen zweiten Filmmarkt etabliert. Das kennt man ja schon von Cannes.

Es wird wieder spannend, hoffentlich, vielleicht,... mal sehen was da so kommt.

 

Sonntag, 8. Februar

Die Deko rund ums Filmfestival, ist wie jedes Jahr, weihnachtlich. Hier und da hört man einen leisen Aufschrei, wenn Filmmenschen ihre Akkreditierung abholen wollen und dafür glatt die Monatsrate eines Mittelklassewagens hinlegen müssen. Es gibt noch Berlinale-Besucher, die erinnern sich daran, welche Proteste zu hören waren, als die einstmals kostenlose Akkreditierung mit einer Gebühr von 50 DM belegt wurde, immerhin rund 25% des aktuellen Satzes von 100 Euro. Vielleicht sollte sich das Festival langsam und vorsichtig unter den Schutzschirm der Bundesregierung stellen.

Trotz der knappen Grade über 0 schafft es die Stadt einmal mehr, so etwas wie einen Eiswind zu erzeugen. Und auch am extrem verborgenen Charme mancher Berliner, wie etwa jenem extrem unfreundlichen Busfahrer, den man trotz gültiger (und völlig überteuerter 7-Tage Karte)  um eine Audienz in seiner Dieselschleuder betteln muss, hat sich kaum etwas geändert.

Weihnachtsdeko

Traditionell inzwischen die Weihnachtsdeko zum Film-Event.

In die U-Bahnen kann man zwar ohne Diskussionen einsteigen, dafür sind sie wahre Rütteltests und fahren zeitweise Schritttempo, weil die Gleise so marode sind. Wo sind eigentlich all die Milliarden für den Aufbau Ost damals hineingesteckt worden? Die Berliner Gleise wären ein tolles Investment gewesen, viel sinnvoller als etwa heute die Leistungsprämien der auf der ganzen Linie versagenden Vorstände und Bänker aus Staatsmitteln zu finanzieren.

Überhaupt gehört das ganze Bankenrettungsgeld besser in Filme investiert, -nein nicht die FFA typischen Großprojekte mit denen die Großproduzenten gefördert werden, sondern die kleinen Independent-Filme, die noch auf starke Geschichten und ganz viel Fantasie setzen. 

Ein unterwegs rasch georderter vegetarischer Döner erweist sich als unterirdisch schlecht.- Hey, was ist da los, das konnte man bisher so gut wie blind an jedem Berliner Imbiss kaufen, ohne dass die Qualität daneben war. Die Filme der Berlinale haben stets in der Qualität geschwankt, aber wenn man irgend etwas blind in Berlin kaufen konnte, so waren es Döner. Und jetzt so etwas. Ob das wohl auch an der Bankenkrise liegt... ?

Der Hauptsponsor lässt sich nicht lumpen, auch wenn es wohl das vorerst letzte Jahr sein soll, und gewährt den akkreditierten Filmfestgästen und Besuchern kostenlose Fahrten mit den Wolfsburger Shuttles oder auch Limousinen. Letztere verwendet man auch gerne, um die Stars aus dem 20 Gehsekunden vom Berlinale-Palast entfernten Hotel zum roten Teppich zu chauffieren. 

Ein erster Wettbewerbsbeitrag (jener aus Schweden) ist  wie man hört, massiv ausgebuht worden, nicht nur Kritiker haben sich sehr aufgeregt. Gut, wenn auch das noch möglich ist, hoffentlich traf es keinen Unschuldigen.

 

Montag, 9. Februar

Filmmarkt

Der Filmmarkt platzt aus allen Nähten- deshalb gibt es dieses Jahr den Filmmarkt Part II im Marriott Hotel.

Morgens hat es geschneit,- blieb aber nicht lange liegen die weiße Pracht,- die Temperaturkurve zeigt dennoch eindeutig nach unten. Das ist insbesondere deshalb erwähnenswert, weil sich rund um den Potsdamer Platz die verschiedenen Lokale und Cafés zur Erweiterung ihrer Kapazitäten auch auf die Straße hin mit Tischen und Stühlen ausgerüstet haben. Ganz wie im Sommer, nur ein wenig anders. Und so sitzen dort, tief verpackt in Winterjacken und Mützen, eingehüllt in warme Wolldecken, die von den Lokalen bereitgestellt werden, ganz besonders unempfindliche Naturen und wärmen sich die Hände an warmen Getränken. Ob das alles Skandinavier sind? Lappland-Filmemacher, die ohnehin Probleme mit den ansonsten gut beheizten Festival-Räumlichkeiten haben? 

Die wohl am besten geheizte Räumlichkeit ist übrigens der internationale Filmmarkt im Gropius-Bau. Den sollte man eigentlich nur in Badekleidung durchschreiten, alles Andere führt unweigerlich zu Schweißausbrüchen. Neben dem IFM im Gropius Gebäude hat man sich mit dem Markt auch auf Räume im Marriott Hotel erweitert und so pendeln die Filmhändler nun mit dem Shuttlebus zwischen mehreren Orten hin- und her.

Eine Leistung des Festivals ist unübersehbar,- während in früheren Jahren unter der Leitung von de Hadeln deutsche Filme eher geschmäht und mehr als selten waren, hat Dieter Kosslick es geschafft, dem deutschen Film einen festen Platz im Festival einzuräumen, bei dem man nicht mal mit der Nase rümpft, wenn ein paar deutsche Filme gar im Wettbewerb laufen. Man kann nur hoffen, dass der deutsche Film bei diesen Möglichkeiten auch qualitativ mithält.

Eine andere Leistung ist es, dass es bereits ab Mittags kaum mehr Schlangen an den Ticket-Countern mehr gibt. Es hat sich herumgesprochen, dass man dort am Nachmittag schon praktisch keine Karten mehr bekommt. Seltsam, dass man keine "Alles ausverkauft" Schilder aufstellt und stattdessen jedem akkreditierten Gast in der Kartenschlange (das sind jene, die viel Geld dafür bezahlt haben, gegen Vorlage ihres Ausweises Tickets zu bekommen) persönlich mitteilt, dass man keine Tickets mehr für sie hat. Eine nette Geste, die aber über das Problem nur unzureichend hinwegtröstet.

Gegen 15 Uhr dann der traditionelle HFF-Empfang in der Home-Base mit freudigem Wiedersehen alter und neuer Münchner Filmhochschüler, auch einige M-HMK Filmstudenten wurden gesichtet. 11 von ihnen besuchen derzeit die Berlinale, lernen Strukturen, Organisationen und Abläufe innerhalb der Filmbranche kennen und sichten natürlich jede Menge Filme, um darüber zu diskutieren. Beim Empfang Wiedersehen mit der ehemaligen Redakteurin eines süddeutschen TV-Senders, die wie verändert darüber berichtet, wie gut es ihr geht, seit sie nicht mehr für den Sender arbeitet. Sie wirkt viel gelöster und sorgenfrei. Man ahnt es nur und will gar nicht wissen, wie da so der Arbeitsalltag ausgesehen hat.

Acompany

Abendlicher Empfang im Tucher unter den Linden

Um 17 Uhr dann begann der arte-Empfang, wie schon in den Vorjahren auch diesmal in der Akademie der Künste. Er bot ein Wiedersehen mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen, wobei auffiel, wie isoliert doch die Regisseure, die Schauspieler und die Produzenten bei solchen Empfängen auftreten. Da stehen nur selten Regisseure beieinander, gruppieren sich auch die Produzenten oder Schauspieler nicht. Jeder ringt und müht sich allein um die kostbare Aufmerksamkeit der Redakteure, Geschäftspartner oder Produzenten. Einerseits verständlich, letztlich sind sie alle Konkurrenten, andererseits gehören sie aber auch zu einer recht überschaubaren Familie. 

Die Speisen beim Empfang waren, trotz zermürbend vieler Kochsendungen, die arte so in den letzten paar Jahren ausgestrahlt hat (manchmal incl. Wiederholungen ca. 50 im Monat!) erstaunlich schlicht und in keiner Weise kosher oder gar Vegetarier- tauglich.

Zum Abschluss des Tages dann ein Besuch beim A Company, eeap, TCME und Gala Media-Empfang im Tucher direkt gegenüber der Akademie der Künste. Deftige Live-Musik von "Di Grine Kuzine", die direkt aus der Popolski-Show stammen könnte und ein nicht weniger deftiges Büffet ließen den Abend gemütlich ausklingen. 

Dienstag, 10. Februar

Es regnet, die Stadt ist grau und der legendäre Berliner Windkanal tut, was er immer tut. Berlin zeigt den Südstaatlern mal wettermäßig, wo der Hammer hängt. Nein, auch heute habe ich mich nicht morgens um 7 in die Schlange eingereiht, in der man stehen muss um ab 8 Uhr dann eine Chance auf Karten für Filme zu bekommen, die man auch tatsächlich sehen will. Der Morgen beginnt mit dem großen Kodak-Empfang, bei dem sich nicht nur Kameraleute, Regisseure und Produzenten begegnen, sondern auch zahlreiche Vertreter der Postproduktion, also Kopierwerke, Bildbearbeitung und Archivierung.

Kodak

Der Kodak-Empfang

Beim Rundgang über den EFM zeigt sich, dass inzwischen bereits Dienstags erste Stände abgebaut, die wichtigsten Geschäfte getätigt sind. Besonders hoch der Schwund im Mariott Hotel, welches mit seinem verlängerten Teil 2 des Filmmarktes ohnehin von weniger Besuchern angesteuert wird. Es ist eben doch auch ein Meeting-Point der Gropius Bau und man möchte dort sein, wo alle sind.

Fragt man bei Kollegen, die in den USA in der Filmbranche arbeiten nach, ob denn die Finanzkrise beim Film spürbar sei, so kommen sofort die Investorengelder ins Gespräch. Da tut sich eine Lücke auf, ob diese vielleicht zu kleineren Budgets oder weniger Filmen führen wird, weiß jenseits des Atlantiks noch niemand so genau. Noch sind dort ja viele der Überzeugung, durch 3D das Filmgeschäft in neue Gewinnmargen hineinmanövrieren zu können. Wer sich die meisten Berlinale-Filme einmal dreidimensional vorstellt, mit Armen, Beinen und Füßen die sich ständig dem Zuschauer aus der Leinwandebene entgegenstrecken, der ahnt, dass darin auch eine horrorhafte Drohung der Filmindustrie versteckt ist.

Am Spätnachmittag dann bei der Happy Hour von Arri ein wenig dem Regen entflohen. "Verkaufsgespräche" neuer Projekte eines deutschsprachigen Nachbarlandes an Nebentischen mit angehört. Filmreif, -man hätte eigentlich nur die Kamera draufhalten müssen. Da waren Genres wie Comedy, Drama und Alpenpanorama in einem einzigen Dialog enthalten. Warum gibt es das eigentlich noch nicht als Reality-Show im Privatfernsehen- Filmemacher pitchen Dieter B. seltsame Projekte? Oder im Öffentlich-Rechtlichen- mit Gebührenzahlern in der Jury, die gnadenlos nach 30 Sekunden Pitch die Kandidaten rausschmeißen?

Abends dann beim Treffen in der Pizzeria empört man sich wieder über all die Bänker, die so viel Kapital in den Sand gesetzt haben, sich vom Staat, also uns Steuerzahlern retten und sogar noch durch fette Boni belohnen lassen. Ein in der Filmwirtschaft undenkbarer Vorgang. Man denke nur, eine Filmproduktion die wegen schlecht gedrehter Filme in Zahlungsschwierigkeiten kommt und vom Staat einfach den Fehlbetrag überwiesen bekommt. Grandios, aber es würde nicht eintreten, weil der Staat, wie wir inzwischen wissen, nur solche Schurken unterstützt, die einen so großen Schaden anrichten, dass damit die halbe Realwirtschaft in einen Abgrund gerissen würde. Und dafür sind unsere Filmbudgets nun wahrlich zu klein.

In der illustren Pizzarunde werden immer neue Ideen der Finanzkrise auf die Filmbranche übertragen. Mein besonderer Favorit, die Idee einer "Bad Produktion", einer Firma, der (ähnlich der Bad Bank) die normalen Filmproduktionen all ihre missglückten Filme und Projekte entsorgen können, während sie selbst nur die gelungenen Filme veröffentlichen. Da fallen mir spontan einpaar Firmen ein, die gleich ihr ganzes Oevre an die neu geschaffene "Bad Produktion" überweisen könnten...

 

Mittwoch, 11. Februar

Morgens der "early morning brunch" der Filmanwälte im Berlin Capital-Club, wo sich einmal mehr zeigt, wo die eigentlichen Entscheider in der Medienlandschaft sich treffen und miteinander reden. Ein gediegenes Frühstück kann dabei recht hilfreich sein, wobei auffällt, dass die wahren Profis, sich mit der Nahrungsaufnahme sehr zurückhalten. Dann ab, raus in den Eiswind und so tun als wäre nichts. Heute sitzt man nicht mal mehr mit Wolldecke draußen auf den Stühlchen und Bänkchen der Straßencafés.

Presse

Im Pressezentrum stapelt sich das Papier

Mittags dann ein lustiges Gespräch, bei dem ich erfahre, dass es nicht nur für Menschen, sondern auch für Städte Horoskope gäbe. Ja und das von Berlin besage angeblich, dass man hier nichts aufbauen könne. Also liegt das mit den leerstehenden Läden und Lokalen gar nicht an den schwachen Geschäftsmodellen, sondern  nur am Horoskop...

Am späten Nachmittag stellt der Kulturstaatsminister sich und der Filmbranche ein gutes Horoskop aus. Er eröffnet das filmpolitische Gespräch der CSU mit den üblichen und ein paar unüblichen Gästen auf dem Podium. 

Unüblich war sicher, den Geschäftsführer vom BVK (Bundesverband Kamera) oder die Schauspielerin Dennenesch Zoudé mal ein wenig über die Probleme der Kameraleute oder Schauspieler mit Rentenversicherung, Arbeitsamt oder Finanzamt erzählen zu lassen.

Die scheinbar auf alle Panels abonnierte Bavaria-Kinderfilmproduzentin Uschi Reich  wiegelte sämtliche Vorwürfe hinsichtlich 15 Stunden Arbeitstagen und unterbezahlten Mitarbeitern generell für ihre Produktionen ab und auch der Moderator der Runde, Johannes Kreile bemühte sich lächelnd um sanfte Harmonie und bog kritische Töne rasch und unelegant ab. Dies misslang gänzlich, als dann auch noch Zuhörer aus dem Publikum das Wort ergriffen, die über die faire Bezahlung und vor allem Versicherung der nur kurzzeitig Beschäftigten (Künstler) kaum Gutes zu berichten wussten. 

Das Thema ist nicht neu, erschreckend aber, wie wenig sich die Behörden und Institutionen darauf einstellen, dass es nicht nur festangestellte Dauerbeschäftigte gibt. Filmleute haben nun einmal einzelne Arbeitstage und dazwischen längere Lücken bis zum nächsten Film. Auch der Hintergrund schlechter Arbeitsbedingungen wurde eloquent wie kritisch erläutert: Fernsehsender gäben an ihre eigenen Tochterfirmen (z.B. Degeto) Aufträge weiter, die diese dann wiederum an Produzenten weitergeben. Jede Instanz behielte einen Teil des Budgets ein und der Produzent könne dann eigentlich nur durch die bekannten Überstunden und engen Drehpläne das Projekt umsetzen.

Ganz nebenbei (im Foyer hinter vorgehaltener Hand) erfährt man dann doch noch von direkten Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Angeblich halbiert eine der drei deutschen Banken, die sich auch bei Filmfinanzierungen engagiert hat, in Berlin ihre Belegschaft aus dem Medien-Bankbereich und zieht sich aus diversen größeren Projekten zurück. Das lässt nichts Gutes erahnen, für die Großproduzenten nicht und für Kleinen noch weniger.

Überhaupt lassen zwar alle irgendwie durchschimmern, dass die Krise auch bei ihnen Konsequenzen haben wird, aber welche und wann, darüber rätselt man herum. Es ist so eine dumpfe Ahnung vielleicht, die man mit so schönen Erkenntnissen wie "in Krisenzeiten wollen die Menschen sich im Kino zerstreuen" gerne vergessen machen möchte. Vielleicht bedeutet diese Formel auch nur, dass man verstärkt auf "Zerstreuungsfilme" setzen wird, was den künstlerisch anspruchsvollen Teil unserer Filmkultur ähnlich zurückwerfen würde, wie nach der Einführung des Tonfilms.

 

Donnerstag, 12. Februar

Weihnachtlich

Weihnachtlich beleuchteter letzter Berlinale-Abend

Letzter Tag für mich in Berlin oder besser halber Tag. Noch zum FFF-Empfang, dem Heimspiel der bayerischen Filmszene. Natürlich geht es dem deutschen Film gut, hört man, nur in den späteren Gesprächen an den Tischen, vor allem an denen der Bankenvertreter hört man etwas gemischte, etwas andere Töne. Man darf gespannt sein, auf die Kinojahre 2010 und 2011, denn frühestens dann kommen die krisenhaften Momente die sich in der Filmbranche auftun könnten, auch in den Kinos an, oder eben gerade nicht.

Während der Gespräche mit Vertriebsleuten noch eine Nachricht bekommen, die sprachlos macht. Ob die davon etwas gemerkt haben? Zwischen all den Poker-Faces, die noch von Erfolg sprechen, wenn die Hausbank ihnen bereits nahe legt, das Institut zu wechseln, fällt man schnell auf. Danach noch auf den Filmmarkt, letzte Gespräche für ein geplantes Projekt geführt und dann geht es auch schon zum Flughafen Schönefeld, wo der Flieger einen ganzen Reigen an bayerischen Filmmenschen wieder nach München in den überraschenden Tiefschnee bringt.

Es war eine windige, kalte Berlinale mit geringen Chancen, Karten für die Filme zu bekommen, die man auch wirklich sehen wollte. Viele haben sich die Karten deshalb schlichtweg gekauft, weil ihre geheimnisumwobenen Akkreditierungs-Kontingente ihnen diese verwerten. Es war eine Berlinale mit vielen Chancen für den deutschen Film, wobei wie man hört, nicht alle Filme die Qualität brachten, dass sie diese Chance auch verdient hätten. Im Wettbewerb gefiel Hans Christian Schmids "Sturm" vielen Kritikern besonders gut.

Wer weiß, ob die nächste Berlinale wieder ähnlich glamourös ausfallen wird, wie bisher, möglicherweise wird sie auch ein wenig bescheidener, manchmal kann das auch ein Reichtum sein.

 

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