Berlinale in Zeiten der Wirtschaftskrise. So richtig
angekommen ist die ja noch nicht überall. Ich meine die Wirtschaftkrise,
nicht die Berlinale. Sicher, man sieht es an den vielen leerstehenden
Läden, Lokalen, hört hier und da von Leuten, die ihren Job verloren
haben.
Doch wie macht sie sich in der Filmbranche bemerkbar?
Da hört man von einem sehr großen Postproduktionshaus, dass alle Mitarbeiter
über 50 gekündigt wurden, man hört von Stellenabbau bei ORF und RBB.
Doch wie spürt man Rezession auf einem Fest, das vor allem eines tut,-
sich selbst und das Kino zu feiern?
Dass die Kosten für die Akkreditierungen rigide
erhöht wurden wird vermutlich nicht an schierer Geldgier liegen, sondern
daran, dass immer mehr Reihen und Events vielleicht nicht mehr so einfach
von staatlichen Budgets und Sponsorengeldern bezahlt werden können.
Auf der Eröffnungsveranstaltung hörte man diesmal
keine Live- Musik, man spielte die notwendigen Untermalungen vom
Datenträger ab. Und auch die Appelle von Festivalchef Dieter Kosslick an
die Festivalsponsoren ließen erahnen, dass auch dieses Thema nicht ganz
an der Wirtschaftskrise vorbeikommt.
Und natürlich nimmt man auf Seiten des Festivals und
der Sales-Leute das Wort "Bankenkrise" auch pausenlos in den
Mund, um die Aktualität von Tom Tykwers "International" zu
unterstreichen, dabei hat die Story außer ihrer Ansiedlung im
Bankenmilieu rein gar nichts mit der aktuellen Bankenkrise zu tun. Doch
wen interessiert das schon?
Die Ticketstände am Sonntag gegen 17
Uhr beinahe verwaist,- kein Wunder, es gibt praktisch keine Karten
mehr.
Ansonsten glänzt Berlin einmal mehr mit seinem rauen
Charme, den Filmkulissen, die gar keine sind und von realen Menschen
bewohnt werden und die Andreas-Dresen Darsteller, die keine sind, sondern
ganz normale Sterbliche auf den Straßen, in den U-Bahnen und
Bussen.
Auch dem Filmmarkt ist die Krise noch nicht
anzumerken, neben den Ständen im Gropius-Bau haben sich auch wieder
zahlreiche Vertriebsfirmen in den Hotels eingemietet und dort einen
zweiten Filmmarkt etabliert. Das kennt man ja schon von Cannes.
Es wird wieder spannend, hoffentlich, vielleicht,...
mal sehen was da so kommt.
Sonntag, 8. Februar
Die Deko rund ums Filmfestival, ist wie jedes Jahr,
weihnachtlich. Hier und da hört man einen leisen Aufschrei, wenn
Filmmenschen ihre Akkreditierung abholen wollen und dafür glatt die
Monatsrate eines Mittelklassewagens hinlegen müssen. Es gibt noch
Berlinale-Besucher, die erinnern sich daran, welche Proteste zu hören
waren, als die einstmals kostenlose Akkreditierung mit einer Gebühr von
50 DM belegt wurde, immerhin rund 25% des aktuellen Satzes von 100 Euro.
Vielleicht sollte sich das Festival langsam und vorsichtig unter den
Schutzschirm der Bundesregierung stellen.
Trotz der knappen Grade über 0 schafft es die Stadt
einmal mehr, so etwas wie einen Eiswind zu erzeugen. Und auch am extrem
verborgenen Charme mancher Berliner, wie etwa jenem extrem unfreundlichen
Busfahrer, den man trotz gültiger (und völlig überteuerter 7-Tage
Karte) um eine Audienz in seiner Dieselschleuder betteln muss, hat
sich kaum etwas geändert.
Traditionell inzwischen die
Weihnachtsdeko zum Film-Event.
In die U-Bahnen kann man zwar ohne Diskussionen
einsteigen, dafür sind sie wahre Rütteltests und fahren zeitweise
Schritttempo, weil die Gleise so marode sind. Wo sind eigentlich all die
Milliarden für den Aufbau Ost damals hineingesteckt worden? Die Berliner
Gleise wären ein tolles Investment gewesen, viel sinnvoller als etwa
heute die Leistungsprämien der auf der ganzen Linie versagenden
Vorstände und Bänker aus Staatsmitteln zu finanzieren.
Überhaupt gehört das ganze Bankenrettungsgeld
besser in Filme investiert, -nein nicht die FFA typischen Großprojekte
mit denen die Großproduzenten gefördert werden, sondern die kleinen
Independent-Filme, die noch auf starke Geschichten und ganz viel Fantasie
setzen.
Ein unterwegs rasch georderter vegetarischer Döner
erweist sich als unterirdisch schlecht.- Hey, was ist da los, das konnte
man bisher so gut wie blind an jedem Berliner Imbiss kaufen, ohne dass die
Qualität daneben war. Die Filme der Berlinale haben stets in der
Qualität geschwankt, aber wenn man irgend etwas blind in Berlin kaufen
konnte, so waren es Döner. Und jetzt so etwas. Ob das wohl auch an der
Bankenkrise liegt... ?
Der Hauptsponsor lässt sich nicht lumpen, auch wenn
es wohl das vorerst letzte Jahr sein soll, und gewährt den akkreditierten
Filmfestgästen und Besuchern kostenlose Fahrten mit den Wolfsburger
Shuttles oder auch Limousinen. Letztere verwendet man auch gerne, um die
Stars aus dem 20 Gehsekunden vom Berlinale-Palast entfernten Hotel zum
roten Teppich zu chauffieren.
Ein erster Wettbewerbsbeitrag (jener aus Schweden)
ist wie man hört, massiv ausgebuht worden, nicht nur Kritiker haben
sich sehr aufgeregt. Gut, wenn auch das noch möglich ist, hoffentlich
traf es keinen Unschuldigen.
Montag, 9. Februar
Der Filmmarkt platzt aus allen Nähten-
deshalb gibt es dieses Jahr den Filmmarkt Part II im Marriott Hotel.
Morgens hat es geschneit,- blieb aber nicht lange
liegen die weiße Pracht,- die Temperaturkurve zeigt dennoch eindeutig
nach unten. Das ist insbesondere deshalb erwähnenswert, weil sich rund um
den Potsdamer Platz die verschiedenen Lokale und Cafés zur Erweiterung
ihrer Kapazitäten auch auf die Straße hin mit Tischen und Stühlen
ausgerüstet haben. Ganz wie im Sommer, nur ein wenig anders. Und so
sitzen dort, tief verpackt in Winterjacken und Mützen, eingehüllt in
warme Wolldecken, die von den Lokalen bereitgestellt werden, ganz
besonders unempfindliche Naturen und wärmen sich die Hände an warmen
Getränken. Ob das alles Skandinavier sind? Lappland-Filmemacher, die
ohnehin Probleme mit den ansonsten gut beheizten Festival-Räumlichkeiten
haben?
Die wohl am besten geheizte Räumlichkeit ist
übrigens der internationale Filmmarkt im Gropius-Bau. Den sollte man
eigentlich nur in Badekleidung durchschreiten, alles Andere führt
unweigerlich zu Schweißausbrüchen. Neben dem IFM im Gropius Gebäude hat
man sich mit dem Markt auch auf Räume im Marriott Hotel erweitert und so
pendeln die Filmhändler nun mit dem Shuttlebus zwischen mehreren Orten
hin- und her.
Eine Leistung des Festivals ist unübersehbar,-
während in früheren Jahren unter der Leitung von de Hadeln deutsche
Filme eher geschmäht und mehr als selten waren, hat Dieter Kosslick es
geschafft, dem deutschen Film einen festen Platz im Festival einzuräumen,
bei dem man nicht mal mit der Nase rümpft, wenn ein paar deutsche Filme
gar im Wettbewerb laufen. Man kann nur hoffen, dass der deutsche Film bei
diesen Möglichkeiten auch qualitativ mithält.
Eine andere Leistung ist es, dass es bereits ab
Mittags kaum mehr Schlangen an den Ticket-Countern mehr gibt. Es hat sich
herumgesprochen, dass man dort am Nachmittag schon praktisch keine Karten
mehr bekommt. Seltsam, dass man keine "Alles ausverkauft"
Schilder aufstellt und stattdessen jedem akkreditierten Gast in der
Kartenschlange (das sind jene, die viel Geld dafür bezahlt haben, gegen
Vorlage ihres Ausweises Tickets zu bekommen) persönlich mitteilt, dass
man keine Tickets mehr für sie hat. Eine nette Geste, die aber über das
Problem nur unzureichend hinwegtröstet.
Gegen 15 Uhr dann der traditionelle HFF-Empfang in
der Home-Base mit freudigem Wiedersehen alter und neuer Münchner
Filmhochschüler, auch einige M-HMK Filmstudenten wurden gesichtet. 11 von
ihnen besuchen derzeit die Berlinale, lernen Strukturen, Organisationen
und Abläufe innerhalb der Filmbranche kennen und sichten natürlich jede
Menge Filme, um darüber zu diskutieren. Beim Empfang Wiedersehen mit der
ehemaligen Redakteurin eines süddeutschen TV-Senders, die wie verändert
darüber berichtet, wie gut es ihr geht, seit sie nicht mehr für den
Sender arbeitet. Sie wirkt viel gelöster und sorgenfrei. Man ahnt es nur
und will gar nicht wissen, wie da so der Arbeitsalltag ausgesehen hat.
Abendlicher Empfang im Tucher unter den
Linden
Um 17 Uhr dann begann der arte-Empfang, wie schon in
den Vorjahren auch diesmal in der Akademie der Künste. Er bot ein
Wiedersehen mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen, wobei auffiel, wie
isoliert doch die Regisseure, die Schauspieler und die Produzenten bei
solchen Empfängen auftreten. Da stehen nur selten Regisseure beieinander,
gruppieren sich auch die Produzenten oder Schauspieler nicht. Jeder ringt
und müht sich allein um die kostbare Aufmerksamkeit der Redakteure,
Geschäftspartner oder Produzenten. Einerseits verständlich, letztlich
sind sie alle Konkurrenten, andererseits gehören sie aber auch zu einer
recht überschaubaren Familie.
Die Speisen beim Empfang waren, trotz zermürbend
vieler Kochsendungen, die arte so in den letzten paar Jahren ausgestrahlt
hat (manchmal incl. Wiederholungen ca. 50 im Monat!) erstaunlich schlicht
und in keiner Weise kosher oder gar Vegetarier- tauglich.
Zum Abschluss des Tages dann ein Besuch beim A
Company, eeap, TCME und Gala Media-Empfang im Tucher direkt gegenüber der
Akademie der Künste. Deftige Live-Musik von "Di Grine Kuzine", die direkt aus der Popolski-Show
stammen könnte und ein nicht weniger deftiges Büffet ließen den Abend
gemütlich ausklingen.
Dienstag, 10. Februar
Es regnet, die Stadt ist grau und der legendäre
Berliner Windkanal tut, was er immer tut. Berlin zeigt den Südstaatlern
mal wettermäßig, wo der Hammer hängt. Nein, auch heute habe ich mich
nicht morgens um 7 in die Schlange eingereiht, in der man stehen muss um
ab 8 Uhr dann eine Chance auf Karten für Filme zu bekommen, die man auch
tatsächlich sehen will. Der Morgen beginnt mit dem großen Kodak-Empfang,
bei dem sich nicht nur Kameraleute, Regisseure und Produzenten begegnen,
sondern auch zahlreiche Vertreter der Postproduktion, also Kopierwerke,
Bildbearbeitung und Archivierung.
Der Kodak-Empfang
Beim Rundgang über den EFM zeigt sich, dass
inzwischen bereits Dienstags erste Stände abgebaut, die wichtigsten
Geschäfte getätigt sind. Besonders hoch der Schwund im Mariott Hotel,
welches mit seinem verlängerten Teil 2 des Filmmarktes ohnehin von
weniger Besuchern angesteuert wird. Es ist eben doch auch ein
Meeting-Point der Gropius Bau und man möchte dort sein, wo alle sind.
Fragt man bei Kollegen, die in den USA in der
Filmbranche arbeiten nach, ob denn die Finanzkrise beim Film spürbar sei,
so kommen sofort die Investorengelder ins Gespräch. Da tut sich eine
Lücke auf, ob diese vielleicht zu kleineren Budgets oder weniger Filmen
führen wird, weiß jenseits des Atlantiks noch niemand so genau. Noch
sind dort ja viele der Überzeugung, durch 3D das Filmgeschäft in neue
Gewinnmargen hineinmanövrieren zu können. Wer sich die meisten
Berlinale-Filme einmal dreidimensional vorstellt, mit Armen, Beinen und
Füßen die sich ständig dem Zuschauer aus der Leinwandebene
entgegenstrecken, der ahnt, dass darin auch eine horrorhafte Drohung der
Filmindustrie versteckt ist.
Am Spätnachmittag dann bei der Happy Hour von Arri
ein wenig dem Regen entflohen. "Verkaufsgespräche" neuer
Projekte eines deutschsprachigen Nachbarlandes an Nebentischen mit
angehört. Filmreif, -man hätte eigentlich nur die Kamera draufhalten
müssen. Da waren Genres wie Comedy, Drama und Alpenpanorama in einem
einzigen Dialog enthalten. Warum gibt es das eigentlich noch nicht als
Reality-Show im Privatfernsehen- Filmemacher pitchen Dieter B. seltsame
Projekte? Oder im Öffentlich-Rechtlichen- mit Gebührenzahlern in der
Jury, die gnadenlos nach 30 Sekunden Pitch die Kandidaten rausschmeißen?
Abends dann beim Treffen in der Pizzeria empört man
sich wieder über all die Bänker, die so viel Kapital in den Sand gesetzt
haben, sich vom Staat, also uns Steuerzahlern retten und sogar noch durch
fette Boni belohnen lassen. Ein in der Filmwirtschaft undenkbarer Vorgang.
Man denke nur, eine Filmproduktion die wegen schlecht gedrehter Filme in
Zahlungsschwierigkeiten kommt und vom Staat einfach den Fehlbetrag
überwiesen bekommt. Grandios, aber es würde nicht eintreten, weil der
Staat, wie wir inzwischen wissen, nur solche Schurken unterstützt, die
einen so großen Schaden anrichten, dass damit die halbe Realwirtschaft in
einen Abgrund gerissen würde. Und dafür sind unsere Filmbudgets nun
wahrlich zu klein.
In der illustren Pizzarunde werden immer neue Ideen
der Finanzkrise auf die Filmbranche übertragen. Mein besonderer Favorit,
die Idee einer "Bad Produktion", einer Firma, der (ähnlich der
Bad Bank) die normalen Filmproduktionen all ihre missglückten Filme und
Projekte entsorgen können, während sie selbst nur die gelungenen Filme
veröffentlichen. Da fallen mir spontan einpaar Firmen ein, die gleich ihr
ganzes Oevre an die neu geschaffene "Bad Produktion" überweisen
könnten...
Mittwoch, 11. Februar
Morgens der "early morning brunch" der
Filmanwälte im Berlin Capital-Club, wo sich einmal mehr zeigt, wo die
eigentlichen Entscheider in der Medienlandschaft sich treffen und
miteinander reden. Ein gediegenes Frühstück kann dabei recht hilfreich
sein, wobei auffällt, dass die wahren Profis, sich mit der
Nahrungsaufnahme sehr zurückhalten. Dann ab, raus in den Eiswind und so
tun als wäre nichts. Heute sitzt man nicht mal mehr mit Wolldecke
draußen auf den Stühlchen und Bänkchen der Straßencafés.
Im Pressezentrum stapelt sich das Papier
Mittags dann ein lustiges Gespräch, bei dem ich
erfahre, dass es nicht nur für Menschen, sondern auch für Städte
Horoskope gäbe. Ja und das von Berlin besage angeblich, dass man hier
nichts aufbauen könne. Also liegt das mit den leerstehenden Läden und
Lokalen gar nicht an den schwachen Geschäftsmodellen, sondern nur
am Horoskop...
Am späten Nachmittag stellt der Kulturstaatsminister
sich und der Filmbranche ein gutes Horoskop aus. Er eröffnet das filmpolitische
Gespräch der CSU mit den üblichen und ein paar unüblichen Gästen auf
dem Podium.
Unüblich war sicher, den Geschäftsführer vom BVK
(Bundesverband Kamera) oder die Schauspielerin Dennenesch Zoudé mal ein
wenig über die Probleme der Kameraleute oder Schauspieler mit
Rentenversicherung, Arbeitsamt oder Finanzamt erzählen zu lassen.
Die scheinbar auf alle Panels abonnierte
Bavaria-Kinderfilmproduzentin Uschi Reich wiegelte sämtliche Vorwürfe
hinsichtlich 15 Stunden Arbeitstagen und unterbezahlten Mitarbeitern
generell für ihre Produktionen ab und auch der Moderator der Runde,
Johannes Kreile bemühte sich lächelnd um sanfte Harmonie und bog
kritische Töne rasch und unelegant ab. Dies misslang
gänzlich, als dann auch noch Zuhörer aus dem Publikum das Wort
ergriffen, die über die faire Bezahlung und vor allem Versicherung der
nur kurzzeitig Beschäftigten (Künstler) kaum Gutes zu berichten wussten.
Das Thema ist nicht neu, erschreckend aber, wie wenig
sich die Behörden und Institutionen darauf einstellen, dass es nicht nur
festangestellte Dauerbeschäftigte gibt. Filmleute haben nun einmal
einzelne Arbeitstage und dazwischen längere Lücken bis zum nächsten
Film. Auch der Hintergrund schlechter Arbeitsbedingungen wurde eloquent
wie kritisch erläutert: Fernsehsender gäben an ihre eigenen
Tochterfirmen (z.B. Degeto) Aufträge weiter, die diese dann wiederum an
Produzenten weitergeben. Jede Instanz behielte einen Teil des Budgets ein
und der Produzent könne dann eigentlich nur durch die bekannten
Überstunden und engen Drehpläne das Projekt umsetzen.
Ganz nebenbei (im Foyer hinter vorgehaltener Hand)
erfährt man dann doch noch von direkten Auswirkungen der
Wirtschaftskrise. Angeblich halbiert eine der drei deutschen Banken, die sich
auch bei Filmfinanzierungen engagiert hat, in Berlin ihre Belegschaft aus
dem Medien-Bankbereich und zieht sich aus diversen größeren Projekten
zurück. Das lässt nichts Gutes erahnen, für die Großproduzenten nicht
und für Kleinen noch weniger.
Überhaupt lassen zwar alle irgendwie durchschimmern,
dass die Krise auch bei ihnen Konsequenzen haben wird, aber welche und
wann, darüber rätselt man herum. Es ist so eine dumpfe Ahnung
vielleicht, die man mit so schönen Erkenntnissen wie "in
Krisenzeiten wollen die Menschen sich im Kino zerstreuen" gerne
vergessen machen möchte. Vielleicht bedeutet diese Formel auch nur, dass
man verstärkt auf "Zerstreuungsfilme" setzen wird, was den
künstlerisch anspruchsvollen Teil unserer Filmkultur ähnlich
zurückwerfen würde, wie nach der Einführung des Tonfilms.
Letzter Tag für mich in Berlin oder besser halber
Tag. Noch zum FFF-Empfang, dem Heimspiel der bayerischen Filmszene.
Natürlich geht es dem deutschen Film gut, hört man, nur in den späteren
Gesprächen an den Tischen, vor allem an denen der Bankenvertreter hört
man etwas gemischte, etwas andere Töne. Man darf gespannt sein, auf die
Kinojahre 2010 und 2011, denn frühestens dann kommen die krisenhaften
Momente die sich in der Filmbranche auftun könnten, auch in den Kinos an,
oder eben gerade nicht.
Während der Gespräche mit Vertriebsleuten noch eine
Nachricht bekommen, die sprachlos macht. Ob die davon etwas gemerkt haben?
Zwischen all den Poker-Faces, die noch von Erfolg sprechen, wenn die
Hausbank ihnen bereits nahe legt, das Institut zu wechseln, fällt man
schnell auf. Danach noch auf den Filmmarkt, letzte Gespräche für ein
geplantes Projekt geführt und dann geht es auch schon zum Flughafen
Schönefeld, wo der Flieger einen ganzen Reigen an bayerischen
Filmmenschen wieder nach München in den überraschenden Tiefschnee
bringt.
Es war eine windige, kalte Berlinale mit geringen
Chancen, Karten für die Filme zu bekommen, die man auch wirklich sehen
wollte. Viele haben sich die Karten deshalb schlichtweg gekauft, weil ihre
geheimnisumwobenen Akkreditierungs-Kontingente ihnen diese verwerten. Es
war eine Berlinale mit vielen Chancen für den deutschen Film, wobei wie
man hört, nicht alle Filme die Qualität brachten, dass sie diese Chance
auch verdient hätten. Im Wettbewerb gefiel Hans Christian Schmids
"Sturm" vielen Kritikern besonders gut.
Wer weiß, ob die nächste Berlinale wieder ähnlich
glamourös ausfallen wird, wie bisher, möglicherweise wird sie auch ein
wenig bescheidener, manchmal kann das auch ein Reichtum sein.