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Berlinale 2010 Bus

Grau vom Schneematsch der letzten Wochen- die Scheiben in den Bussen zum Potsdamer Platz  

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Berlinale

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Samstag, 13. Februar

Berlinale- das Winterfilmfestival bietet in diesem Jahr ein undefinierbares Gemisch aus Schnee, Matsch und grauen Steinchen, viele Gerüste und Bauabsperrungen rund um den Potsdamer Platz und die obligate Weihnachtsbeleuchtung. Davon dass der Schnee einstmals weiß gewesen sein muss, ist nicht mehr viel zu erahnen.

Das Wetter hat zumindest eines bewirkt- es ist nicht die Berlinale der feinen Lederschühchen und Stöckelschuhe,- robustes, wetterfestes Schuhwerk prägt das Straßenbild.

Zweites Berlinale-Jahr der Wirtschaftskrise, wie feiert man den Film wenn das Geld immer knapper wird?

Nun man zwingt den Gästen auf, sich an den Kosten massiver zu beteiligen. Bereits im vergangenen Jahr wurden die Gebühren für Akkreditierungen massiv erhöht, die Presse zahlt 60, Fachbesucher zahlen sogar 100 Euro für die begehrte Plastikkarte und die obligate Plastiktasche im gewohnt schrägen Farbdesign. In diesem Jahr ist Lila angesagt... mit betörend fiesem PVC-Geruch. Würde hier wieder mal ein Öko-Dokumentarfilm über Kunststoffe laufen,- in den Kinosälen mit ihren vielen akkreditierten Taschenträgern käme es zu zauberhaften Glücksfällen von intensivstem Geruchskino. Was ist dagegen schon 3D ?

Was besonders verwundert,- wer seine Akkreditierungskarte verliert, darf noch mal 50 Euro hinlegen für die Ersatzkarte. Das ist pädagogisch eindeutig im Bereich der Strafe angesiedelt und zudem eine nette Nebeneinnahme für einen simplen Computerbefehl, die Karte erneut zu printen. 

Die beeindruckenden Kosten für die Akkreditierung wären ja noch irgendwie hinnehmbar, (auch wenn es einen irritiert, dass die Hotelzimmer preiswerter sind, als der Plastikbadge), irgendwie muss das Festival ja bezahlt werden, - wenn dieser entsprechende Kinobesuche gegenüberständen. 

Noch mehr als im letzten Jahr hat sich der Saal mit den Ticketcountern zur Resterampe entwickelt. Man geht nicht mehr mit einer Liste der gewünschten Filme an den Counter, sondern man schaut auf die aufgeklebten Listen am Desk, welche der noch nicht ausverkauften Filme man schließlich anschauen mag. Kinolotto sozusagen.

Schneecafe

Die illustren Sitzgelegenheiten vor den Cafes rund um den Potsdamer Platz liegen ruhig und verschneit da...

War im vergangenen Jahr der Begriff "Krise" geradezu Berlinale-Motto samt Filmbeiträgen, so ist die Krise in diesem Jahr eher spürbar. Da trifft man die beiden Ex-Inhaber einer gemeinsamen Nachwuchs-Produktionsfirma, die sich jetzt einzeln als Producer in größeren Firmen verdingen und augenscheinlich nicht unglücklich sind, wieder zu wissen, wovon man die Miete zahlt. Oder es gibt Gerüchte, dass es dem Postpro-Dienstleister, der schon einmal vor Jahren kriselte, erneut gar nicht gut geht. 

Ja und die Give-aways für die Presse wie kostenfreies Mineralwasser, sind dieses Jahr auch verschwunden. Den Sponsoren scheint es auch nicht allzu gut zu gehen. Glücklicherweise fand sich in BMW ein freundlicher neuer Sponsor der mit Fahrzeugen aushilft. Da sieht man gerne darüber hinweg, dass die Shuttle-Busse zum Europäischen Filmmarkt, auf denen BMW-Sponsoren-Schriften prangen, von Konkurrent Ford stammen. 

Sonntag, 14. Februar

Gifts

Babylätzchen mit Berlinale-Aufdruck...

Immer wieder auffällig, wie selbst- referenziell die Berlinale sich an allen Ecken und Enden bespiegelt, die seltsamen Großbild-Spots samt Werbeschaltungen vor dem Berlinale-Palast erzeugen schon beim Vorbeigehen gruselige Schauer,- wie mag es erst den Passanten gehen, die am Zaun vor dem roten Teppich länger verweilen, in der Hoffnung, Teil eines Spektakels zu werden, welches nie wirklich eintritt.

Beeindruckend die langen Schlangen an den öffentlichen Ticket-Schaltern,- tapfere Berliner Kinobesucher- oder ob das alles akkreditierte Gäste sind, die gemerkt haben, dass sie hier wenigstens Karten für die Filme bekommen, die sie sehen wollen? 

Gewaltig auch der Andrang an den Souvenir-Shops zur Berlinale,- schon erstaunlich wie man mit primitiven Plüscheisbären und Babylätzchen mit echtem Berlinale-Aufdruck Kaufkraft erwecken kann. Chapeau...

Und dass in den Arkaden heute nicht einfach verkaufsoffener Sonntag ist, sondern "Berlinale-Shopping" kann man nur als begnadeten PR-Coup bezeichnen.

Dass in Deutschland finanzierte und auf Deutsch gedrehte Filme gerne auch mal aus Österreich oder der Schweiz stammen, beweist nicht nur der diesjährige Oscar-Rummel sondern auch die Berlinale, zwei der drei deutschsprachigen Wettbewerbsbeiträge sind Koproduktionen aus Österreich.

Wenn es dann endlich die passenden Tickets gibt, finden Sie Filmkritiken 2010 demnächst hier.

1.Kritik- Die Friseuse

Montag, 15. Februar

Tucher

Beste Stimmung mit einem entspannten Gastgeber- der Empfang im Tucher

Morgens war sogar eine Ahnung von Sonne zu spüren, ein guter Auftakt für einen Tag reich gefüllt mit Veranstaltungen. Da war erst einmal der MEDIA-Info Tag im Ritz-Carlton Hotel, eine Gelegenheit sehr geballt Informationen über die Aktuellen MEDIA-Fördermöglichkeiten zu erhalten und viele internationale Vertreter dieser wichtigen Fördereinrichtung zu treffen. Deutlich durchzuhören war auch ein Interesse an neuen multimedialen Formen und Vertriebswegen. Und nach wie vor unschlagbar bleibt der Umbrella- Standservice auf den internationalen Filmmärkten  von MEDIA.

Am Nachmittag dann zuerst einmal ein Familientreffen in der Home-Base, zum dritten Mal in Folge lud die HFF München jetzige Studierende, Ehemalige und Freunde zu Kaffee und Kuchen ein, eine gelungene Veranstaltung und Gelegenheit, zahlreiche HFF ler wiederzusehen.

Ja und tatsächlich sogar für einen der Wunschfilme eine Karte am Ticketcounter bekommen,- was die übrigen Filme angeht blieb es allerdings bei dem tristen Eindruck des Vortags. Mittags ist schon alles weg, da beginnt das Reste-buchen. Für den Vormittag und Nachmittag sind die meisten Filme ausgebucht. Ja und wenn man dann in die Kinosäle schaut, sind die scheinbar ausverkauften Säle gar nicht komplett gefüllt,- ein altes Problem. Warum da noch niemand was entwickelt hat, dass Akkreditierte per Handy Tickets wieder freigeben können, wenn sie es nicht schaffen, bestimmte Vorstellungen wahrzunehmen, kann man gar nicht verstehen. Wenn man mit Handys inzwischen den Sternenhimmel über sich virtuell analysieren lassen kann, sollte so ein App doch ein Klacks für mittelbegabte Programmierer sein...

Der europäische Filmmarkt scheint bereits leerer zu sein als sonst an Montagen, man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als wenn die Sales- Aktivitäten in immer kürzerer Zeit abgewickelt werden müssen.

Der vielleicht gelungenste Empfang des Tages war der von A Company, eeap, TCME und Gala Media im Tucher direkt gegenüber der Akademie der Künste. Deftige Live-Musik von "APPARATSCHIK", die bewiesen, dass man einer Balalaika samt Tonabnehmer und Effekt-Pedalen ganz fette Klänge entlocken kann, wenn man nur will und ein nicht weniger deftiges Büffet ließen den Abend gemütlich ausklingen.

Dienstag, 16. Februar

arte

Empfang in der Akademie der Künste ganz in Orange

Der Morgen in der Landesvertretung Baden Würtemberg hat einmal mehr die Weitsicht des weltgrößten Kinefilm- Herstellers bewiesen. Kodak vergibt auch zahlreiche Einladungen an Filmstudenten, wissend, dass der Nachwuchs die Kundschaft der Zukunft sein wird.

Ein freundlicher, ein unprätentiöser Empfang, keine Ansprache,- alle wissen worum es geht, sondern freundliche Begrüßung durch das Kodak-Team und ein unbefangener Vormittag mit vielen Freunden. 

Im Europäischen Filmmarkt werden bereits die ersten Stände abgebaut- Dienstag- das ist rekordverdächtig, schließlich läuft der Markt noch bis Freitag.

Ganz ins Logo-typische Orange getaucht der arte-Empfang in der Kunstakademie am Pariser Platz. Viele Gäste drängen sich und werden versorgt mit kleinen, nicht einmal genialen Häppchen, die zu allem Überfluss nicht einmal Vegetariertauglich sind. Vielleicht lässt arte Sarah Wiener einfach zu viel im Fernsehen kochen. Das führt schon lange zu Erstaunen in der arte-Fangemeinde, wie man bis zu 30 Kochsendungen in manchen Monaten unterbringen kann, die samt Wiederholungen auf bis zu 60 Ausstrahlungen im Monat führen kann. Irgendwie versteht das niemand.

Aber vielleicht hängt man auch nur zu sehr an dem beliebten Kulturkanal, dass einem solche Koch-Auswüchse die alles toppen, was die Privatsender so in ihren TV Töpfen anrühren, einfach zu sehr wehtun.

Erstaunlich, wie viele Berlinale-Gäste schlichte Panik überkommt angesichts der vielen Eisflächen, die man selbst beim Zurücklegen kürzester Entfernungen, fürchten muss. In dieser Hinsicht spürt der Berlinale-Besucher hautnah die Sparzwänge der Hauptstadt, bis an die Schmerzgrenze. 

Der seit Jahrzehnten tätige Produzent erzählt, dass er vor Jahren zwei ganze Wohnhäuser durch Fehleinschätzungen in der Produktion verloren hat. Immer wieder erstaunlich, warum Menschen Filme produzieren. Wer keine überteuerten Kinofilme, Serien oder Event-Filme produziert, muss schon ein gewisses Maß an Wahnsinn mitbringen um bei den kleinen Budgets und dem hohen Risiko noch glücklich zu werden.

Mittwoch, 17. Februar

Eiszeit

Die Eisschollen lassen erahnen, wie dieser Weg bis Dienstag noch ausgesehen hat...

Tagelang haben vor allem ausländische oder ältere Teilnehmer des Festivals mit Entsetzen die Wege rund um das Festival mit Angst und Verachtung gemieden. Selbst kürzeste Entfernungen wurden notgedrungen zu Taxifahrten. 

Doch nun die Überraschung: Nach nur 6 Tagen Berlinale mit desaströsen Eisverhältnissen, Stürzen und Flüchen rund um den Potsdamer Platz hat die Stadt bereits bemerkt, dass internationale Festivalgäste nicht zwingend Bergschuhe und Steigeisen im Gepäck dabei haben, um in die Kinos zu gelangen. Die dicken Eiswege zumindest am Potsdamer Platz wurden auf etwa einen Meter Breite freigemacht, ein netter Zug und ein schönes Zeichen der Gastfreundschaft. 

Irgendwie erinnern die grau melierten Funktionäre der Filmindustrie streckenweise an ihre Verwandten in der Pharmabranche. Gut bezahlte Lobbyisten, welche sich darum kümmern, dass in allen wesentlichen Förderrichtlinien für größere Beträge die kleinen Independent-Produktionen gar nicht erst vorkommen. 

Und genau wie die Pharma-Vorbilder sehen sich auch ihre Lobby-Kollegen auf den Berlinale-Panels nicht imstande, die Kosten zu senken. Alles wird eben teuer meint man und Qualität kostet eben, sagt man, steigt in sein Taxi und lässt sich zum Fünfsterne Edelhotel rüber chauffieren. (Dass aber viele Produktionsmittel der digitalen Art heute nur noch einen Bruchteil der Beträge kosten, die man früher in Schnittplätze, Tonstudios, Filmmischungen, Kameras etc. stecken musste, wird in den gängigen Diskussionsrunden galant verschwiegen.)

Markt

Jedes Jahr scheint der Markt früher zu enden, Mittwoch sind schon zahlreiche Stände verwaist...

Kein Panel und eher gelassen, einmal mehr der "early morning brunch" der Filmanwälte im Berlin Capital-Club, wo Entscheider in der Medienlandschaft sich treffen und miteinander reden. Da findet der Produzent, dem kurzfristig ein Teil der Finanzierung weggebrochen ist, Ersatz und kann beruhigt dem naheliegenden Drehbeginn entgegensehen. Der Geschäftsführer eines neu geschaffenen Verlages dreht geduldig seine Kreis um seine Dienste ins Gespräch zu bringen. Arbeit eben, zwischen den Croissants. Ein gediegenes Frühstück unter Vorständen, Redakteuren, Festivalchefs, Produzenten und ihren Anwälten.

Auch dieser Regisseur der finanzkräftigen Entscheidern regelmäßig monströse Episodenfilme aufschwatzen will, rennt hier herum, dabei war schon das letzte Werk nur schwer konsumierbar. 

Später auf der Happy Hour von Arri dichtes Gedränge. Im Mandala Hotel mixt man illustre Drinks für die Gäste des Münchner Filmdienstleisters, Kamera- und Scheinwerferherstellers. Danach, draußen am Potsdamer Platz,- wie sollte es anders sein, eisiger Wind in Berlins Mitte.

Donnerstag, 18. Februar

Also Sinn für Dramaturgie hat Berlin, das muss man dem Festival lassen. Gibt es eine größere Steigerung als Tauwetter mit herabstürzenden Dachlawinen und von der Feuerwehr aus Sicherheitsgründen gesperrten Straßen? Riesenpfützen und überall eine graue Matschbrühe, die sich dezent bis in den roten Teppich hinein ausbreitet.

Der Donnerstagvormittag gehört traditionell dem bayerischen Empfang. Natürlich längst nicht nur ein Treffen der Bayern sondern ein Gedankenaustausch quer durch das Land mit vielen wichtigen Branchenvertretern von Nord bis Süd. Ein Seitenraum ist extra dem Thema 3 D gewidmet mit zahlreichen Beispielen für die Aufnahme- und Wiedergabetechnik. Innovation wird in Bayern Ernst genommen, will man signalisieren und wenn man schaut, wo die Hersteller angesiedelt sind, die entsprechendes Equipment herstellen, haben sie nicht ganz unrecht.

In den öffentlichen Bussen spielen sich zeitweise ganze Filmszenen ab, speziell wenn in einen ohnehin schon übervollen Bus noch fünf Kindwägen hineingequetscht werden müssen. Und das müssen sie,- Gelassenheit gehört nicht zu den Tugenden der Ureinwohner dieser Stadt. Dass sich dabei ein unsägliches Gemisch aus "Berliner Schnauze", "Ghettodeutsch" und gepflegtem Busfahrer Amtsjargon zu einem Chor der Entnervten hochschaukelt, liegt nahe. Glückliches Berlin,- jede Minute ein neuer Film...

Teppichautos

Gut sichtbar auf der rechten Seite das Hotel, aus dem die Stars etwa 30 Meter herübergefahren werden zum roten Teppich...

Am Berlinale-Palast gibt es wie von Zauberhand wieder Aufregung am Nachmittag. Aus dem Hintereingang des 30 Meter vom roten Teppich entfernten Hotels springen Darsteller und Regisseure in die Sponsoren-Autos, lassen sich um die Häuserecke zum roten Teppich fahren und  ins Blitzlichtgewitter hinein fallen. 

Die große Frage: Wie lange hält man es im kurzen Abendkleidchen wohl da draußen durch? Warum müssen nur die Frauen frieren, werden nicht die Männer in Muskelshirts in Boxershorts auf dem Teppich abgelichtet? Wie lange wird man danach krank sein?

Viele bedeutende Fragen, die sich da rund um den roten Teppich auftun. Ich werde den Rückflug nutzen, um darüber nachzudenken. Dass das halbe Flugzeug mit Münchner Filmleuten gefüllt ist, versteht sich von selbst...

 
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