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Vielleicht liegt es an der idealen Lage in einer Bucht, vielleicht an der
sonnigen Jahreszeit. Pünktlich in der zweiten Maiwoche eröffnen die
internationalen Filmfestspiele in Cannes. Entlang der Uferstraße, der
berühmten Croisette, dreht sich alles um den Film. An den
Häuserfassaden hängen unzählige Banner mit Filmwerbung, auf der Straße
zwischen den Palmen überall Plakatwände auf denen vornehmlich amerikanische
Produktionen unübersehbar beworben werden.
Die internationalen Filmfestspiele in Cannes eröffnen am 12. Mai und werden bis zum 23 Mai ein hoffentlich besseres Programm zu bieten haben als im Vorjahr. Eröffnungsfilm wird "Bad Education", der neue Film von Almodovar, der außer Konkurrenz läuft. Im Wettbewerb werden nur 18 Filme zu sehen sein, ein paar weniger als in den letzten Jahren.
Cannes ist der wichtigste europäische Marktplatz amerikanischer Kommerzfilme (z.B. Shreck2), stets bemüht durch ausgewählte art house Filme (etwa den neuen Emir Kusturica- Film "Life Is a Miracle") ein entsprechendes Gegengewicht zu erzeugen.
In diesem Jahr wird nach vielen Jahren wieder einmal ein deutscher (eigentlich deutsch-österreichischer) Film im Wettbewerb sein, der französische Weltvertrieb des Films machte es möglich, die sonst verstopften Wege Deutsch-Französischer Filmdiplomatie zum umgehen. Der Weltvertrieb Celluloid Dreams hat bereits in den Vorjahren überaus erfolgreiche Lobbyarbeit für eigene Produkte auf A-Festivals geleistet.
Beliebt sind die wie auf allen Festivals üblichen Diskussions-Panels, eines der ersten befasste sich mit dem Thema Raubkopien und Internet. Neben den üblichen Klagen und nicht wirklich realistischen Einschätzungen entgangener Gewinne gab es etwa von Quentin Tarantino auch relativierende Äußerungen. So hätten etwa illegale Kopien von Pulp Fiction in China erst dazu geführt, dass der Film dort offiziell herausgebracht wurde.
Die Strandlokale, diverse Bühnen, Buden, Stände, Jachten, ganze Kreuzschiffe, und natürlich sämtliche Hotels und Apartmenthäuser entlang der Croisette sind zu Sales-Büros, Infoständen, und Veranstaltungsorten umfunktioniert. Ständig findet irgendwo ein Empfang, eine Pressekonferenz oder Party statt.
Die deutschen Förderungen, sowie die Export Union veranstalteten beispielsweise unter dem Motto „Celebrate the World of German Films at Cannes“ in der Villa Babylone (2, chemin des Araucarias) am 17. Mai einen Empfang. Natürlich wird der Einlass streng reglementiert, nur gegen Einladung erhält man überhaupt Zutritt zu den Events.
Im Palais de
Festival, einem mehrstöckigen Kongressgebäude finden im Kino Riviera
mit der berühmten roten Treppe die Galavorstellungen der Wettbewerbsfilme,
als auch im selben Gebäudekomplex ein Teil des Filmmarktes, des
Marché International statt.
Dort sind auch eine Vielzahl von kleinen Vorführräumen, (für ca. 25 Zuschauer) in denen man gegen Gebühr Vorführungen buchen kann. Auf diese Weise kann man schon vor Beginn des Festivals potenzielle Einkäufer des Filmes einladen, sich diesen anzuschauen.
Schließlich werden doch nur wenige Filme im Wettbewerb gezeigt und erst recht so gut wie nie deutschsprachige.
Die Export-Union des deutschen Films organisiert dort Vorführungen der „New German Films“ . Die Filme werden in einem eigenen mehrsprachigen Heft mit Foto und Kurzinhalt gelistet und zudem in Anzeigen in den Fachzeitschriften mit Vorführtermin angekündigt. Ein sehr wichtiger Service.
Auch direkt an der Uferpromenade bis hin zum Hafen gibt es eine Zeltstadt, in der ebenfalls unzählige Stände von Filmländern und Produktanbietern. Fast jede größere Filmnation ist mit eigenen Ständen oder Zelten vertreten. Dort werden ungeheure Mengen an Prospekten und Informationen zu den jeweiligen Filmen und den Produktionsbedingungen in den Ländern verteilt. Doch wie gesagt, kein Zutritt ohne Market-Badge.
Der Zugang zum
Filmmarkt ist nur mit Ausweis (Market-Badge) möglich. Diesen erhalten
Mitarbeiter aus der Branche, die sich für den Markt akkreditiert haben. Die
Gebühren sind mit ca. 600 Euro recht hoch. Über die verschiedenen Verbände
als auch über die Exportorganisationen des Films kann man sich teilweise zu
günstigeren Konditionen akkreditieren.
Morgens früh beginnen diverse Shuttle- Busse damit, das Filmvolk auch aus den entlegeneren Hotels zur Croisette zu bringen. Vom frühen Vormittag an wandern die Filmprofis, Journalisten, Produzenten, Regisseure, Einkäufer, Schauspieler etc. zwischen Filmmarkt und den diversen Hotels und Strandrestaurants hin und her.
In den Hotels wie
Majestic, Grand Hotel, Noga Hilton, Carlton oder Martinez, hat sich eine ganz
eigene Infrastruktur für das Festival gebildet. Die wichtigsten
internationalen Filmzeitschriften, wie Screen, Moving Pictures,
Variety oder Hollywood-Reporter, haben hier Redaktionen eingerichtet.
Diese haben bereits Monate vor dem Festival die internationalen Produzenten
und Vertriebe gebeten, Ihre aktuellen Filme, die sie in Cannes vorstellen
wollen, kurz zu benennen. Ihre Publikationen erscheinen täglich und bestehen
hauptsächlich aus ganzseitigen Anzeigen aller Filmnationen und natürlich
mehrheitlich amerikanischer Filme. Dazu ein wenig Klatsch, Glamour und
Berichte von den Partys des Vortages.
Auch wenn man nicht über diese gewaltigen Werbebudgets verfügt, die dort in kurzer Zeit umgesetzt werden, gibt es Chancen, in diese Fachblätter zu kommen. So können auch Independent-Leute mit Standfotos und Pressetext bewaffnet, die Redakteure dafür interessieren, eine kurze Info zu einem kleinen Film im redaktionellen Teil (kostenlos) abzudrucken. (Vorausgesetzt er läuft wenigstens in einer der Vorführungen auf dem Markt)
Neben dem Wettbewerb um die goldene Palme, welche eine Jury in diesem Jahr unter dem Vorsitz von Quentin Tarantino vergibt, gibt es noch ein paar offizielle Reihen, darunter: „Semaine de la critique", „Directors Fortnight" und „Un certain regard".
| Goldene Palme | Gus van Sant für "Elephant" | Beste Regie | Gus van Sant | |
| Große Preis der Jury | Nuri Bilge Ceylan für "Uzak" | Kurzfilmpreis | Glendyn Ivin für "Cracker Bag" | |
| Preis "Un certain regard" | LA MEGLIO GIOVENTU (La Meilleure jeunesse) von Marco Tullio Giordana. | Beste Darsteller | Marie-Josée Croze, Muzaffer Özdemir und Mehmet Emin Toprak, | |
| Preis der Jury | Samira Mahkmalbaf für "At Five In The Afternoon" | Drehbuchpreis | Denys Arcand für "Les invasions barbares" | |
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| Kurzfilmpreis der Jury | "L'HOMME SANS TETE" | Preis des jungen französischen Films | "Carnages", von Delphine Gleize | |
| Preis der ökumenischen Jury | AT FIVE IN THE AFTERNOON von Samira Makhmalbaf | Preis des jungen internationalen Films | Christoffer Boe für "Reconstruction" | |
| Goldene Palme | Michael Moore für "Fahrenheit 9/11" |
Beste Regie | Tony Gatlif für "Exils" | |
| Große Preis der Jury | Park Chan-wook für "Old Boy" | Kurzfilmpreis | Catalin Mitulescu für "Trafic" | |
| Preis "Un certain regard" | Sembene Ousmane für "Moolaadé" | Beste Darsteller | Yuuya Yagira ("Nobody Knows"), Maggie Cheung ("Clean") | |
| Preis der Jury | Apichatpong Weerasethakul für "Tropical Malady" | Drehbuchpreis | Agnés Jaoui und Jean-Pierre Bacri für "Comme une image" | |
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| Kurzfilmpreis der Jury | Jonas Geirnaert für "Flatlife" | Goldene Kamera (bester Debütfilm) | "Mon trésor" von Keren Yedaya | |
| Preis der ökumenischen Jury | "Diarios de Motocicleta" von Walter Salles | Filmpreis der Cinéfondation | "Happy now" von Frederikke Aspöck | |
Überall sind Hotelzimmer zu Vorführräumen oder Büros umfunktioniert, es gibt Fotokopier, Foto und Kommunikationszentren. Mobile Friseure, Vermieter für Handys, Anzüge oder was auch immer. Es versteht sich von selbst, dass die Zimmerpreise während dieser Zeit um den Faktor 3-4 erhöht sind. Man sollte sich durch die sommerliche Stimmung jedoch nicht zu Unaufmerksamkeit verleiten lassen. Zahlreiche Diebe feiern in diesen Tagen ihr eigenes Festival in Cannes.
Für Nachwuchsfilmer ohne Reisebudget bietet sich die Übernachtung in den Nachbarorten oder auf dem Campingplatz von Cannes an. Anreise ist per Bahn, Auto oder Flug (nach Nizza) möglich.
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