Schauspieler haben es nicht leicht. Einerseits sollen sie ihre Stimme und
Aussprache für eine möglichst klare Verständlichkeit trainieren und
andererseits diese je nach Filmfigur, die sie verkörpern, auch mit der
gewünschten Unsauberkeit versehen können.
Damit die Sprache der Schauspieler allen denkbaren Aufgaben gewachsen ist,
sollen sowohl Klang (Ton der Stimmbänder) als auch dessen Gestaltung, die Stimme,
trainiert werden. Mit dem Training der Stimme ist es leider wie mit einem
Musikinstrument. Der Weg zu einer gewissen Reife ist mit häufigen Übungen
und deren Wiederholungen verbunden, welche für einen Außenstehenden nicht
wirklich genussvoll sind.
Die menschlichen Stimmen sind sehr individuell, die hier aufgezeigten
Trainingswege können aber den meisten Nachwuchsschauspielern wichtige
Hilfestellungen geben. Wichtige Voraussetzung ist das richtige Atmen. Holen
Sie tief, schnell und möglichst durch die Nase Luft. Das Luftholen sollte
möglichst kein stimmhaftes Eigengeräusch erzeugen.
Übungen für schwache
Stimmen
Erster Schritt ist es, die natürliche Stimmlage des Schauspielers
festzustellen. Dazu spricht dieser mehrere Vokale nacheinander: A, E, I, O,
U. Dabei erspürt man recht schnell, welcher Vokal sich am angenehmsten
sprechen lässt, also der Stimmlage des Sprechenden entspricht. Dieser
Vokal lässt sich mit dem geringsten Stimmaufwand erzeugen. Wem die
Entscheidung schwer fällt, der kann auch einfache Sätze nachsprechen und
entscheiden, welche Worte sich am angenehmsten aussprechen lassen:
Am Ende dieser Unterführung
Ohne Igor ist die Arbeit unerträglich
Eisige Ufer an beiden Seiten der Isar
Für schwache Stimmen gilt es, die
eigene Stimmlage
festzustellen und diese zu
trainieren bzw. zu kräftigen
Hat man die Stimmlage festgestellt, gilt es, diese zu trainieren und zu kräftigen. Erste Aufgabe des Trainings ist es, die
Atmung zu üben. Dazu atmet man möglichst tief ein, und atmet, indem man „A" sagt,
langsam und möglichst ohne Schwankungen im Atemfluss wieder aus (Das
bedeutet, die Lautstärke ist konstant und das A möglichst ohne Vibrato).
Dabei wählt man für das A die gerade herausgefundene, angenehmste
Tonlage. Das Ganze ist ein Mix aus Sprechen und Singen. Zuletzt mit
geöffnetem Mund das A klingen lassen (wie beim Gähnen).
In einem dritten Schritt erweitert man die Übung durch vorgestellte
Konsonanten.
RA , LA, MA, NA, LA....
Um die Stimmlagen, die ober- und unterhalb der eigenen liegen, zu üben,
wiederholt man die Übung 3 in leicht tieferer und nach und nach immer
tieferer Stimmlage. Analog dazu wiederholt man sie in leicht höherer und
immer höherer Lage.
Übungen für
kräftige, tiefe und undifferenzierte Stimmen
Die wichtigste Entdeckung für diese Art von Stimme sind die höheren
Lagen. Die Stimme fühlt sich bei den tieferen Vokalen A, O, U absolut
wohl, ohne diese allzu deutlich zu unterscheiden. Die Vokale I, Ü, E, Ä,
Ö werden weitgehend weggesprochen, als seien es direkte Klangverwandte von
A, O und U.
Der Vokal I wird, nach tiefem Einatmen, so lange in kurzen Abständen
gesprochen, bis der Atem verbraucht ist. Dabei sollte versucht werden,
sanft und leise zu sprechen. Dann die Übung mit Ü, E und Ö wiederholen.
Nun werden die Vokale durch Konsonanten erweitert. LI, LÜ, LE, LÄ, LÖ
werden jeweils nach voller Atemholung in kurzen Abständen gesprochen.
Kurze Übungssätze mit mehreren hellen Vokalen gleichzeitig werden
nachgesprochen.
Liebe ist Liebe und Lüge bleibt Lüge
Prüfe die List, Löse die Übung
Pflücke nie die frühen Früchte
Lautstärke differenzieren
Neben den Stimmübungen spielt auch
die körperliche
Konstitution eine wichtige Rolle
Eine wichtige Übung für schwache und kräftige Stimmen ist die
Differenzierung der Lautstärke. Dabei kommt es darauf an, in tiefen,
mittleren und hohen Tonlagen möglichst viele Lautstärkestufen einer Übung
wiedergeben zu können.
Sprechen Sie mehrmals „Rhabarber-Marmelade",
„Ausfuhrformular", „Autoabgase"
oder „Zugluft" zunächst
so leise, dass Ihre Stimme gerade über der Flüsterlautstärke liegt. Nun
wiederholen Sie mit einer etwas höheren Lautstärke usw. bis Ihre Stimme
kräftig klingt, aber nicht ruft (oder gar schreit).
Wiederholen Sie die Lautstärke-Reihe mit: „Edles,
fein gegerbtes Leder" und „Die
Strümpfe über die Zehen ziehen".
Neben den Stimmübungen spielt auch die körperliche Konstitution eine
wichtige Rolle. Wer gesund lebt, ausreichend schläft und den Körper nicht
durch Alkohol, Rauchen oder andere Stoffe belastet, verschafft sich eine
günstige Ausgangsbasis für eine ausdrucksstarke, variationsfähige
Stimme.