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Eine lange Geschichte...

Deutschland ist die Synchronnation Nummer 1 in der Welt und dies hat eine ziemlich lange Geschichte.

Sie beginnt bereits in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, also in der tiefsten Filmgeschichte.

Obwohl bereits Anfang der zwanziger Jahre ein funktionierendes Lichttonverfahren in Deutschland erfunden wurde, war weltweit niemand so recht glücklich über diese Errungenschaft. Ja man boykotierte und ignorierte sie sogar aus vielfältigen Gründen.

Einerseits war der deutsche expressionistische Stummfilm aus Deutschland ein Exportschlager, Lang oder Murnau wurden in der ganzen Welt gesehen und dank ausgewechselter Schrifttafeln in anderen Sprachen, auch überall zu verstehen. Tonfilme in deutscher Sprache, soviel war den Produzenten klar, würden diese Erfolgsstory rasch beenden.

Zudem waren viele Stummfilmstars nicht mit den ausgebildetsten oder angenehmsten Stimmen gesegnet, viele Karrieren drohten jäh zu enden.

Und nicht zuletzt die Studios und Kinos scheuten sich, ähnlich wie heute beim Übergang zum digitalen Kino, die hohen Investitionen für Tonfilm zu übernehmen. So dauerte es noch bis Ende der Zwanziger Jahre, ehe der offiziell erste Tonfilm "The Jazz Singer" in die Kinos kam.

Sprachsynchron war damals unbekannt, und um Filme in anderen Sprachräumen vermarkten zu können, ließ man die Schauspieler in mehreren Sprachen die gleichen Einstellungen spielen oder verpflichtete sogar mehrere Besetzungen für die unterschiedlichen Sprachfassungen. Der Film "Die Drei von der Tankstelle" etwa, wurde sowohl von den uns bekannten deutschen Hauptdarstellern gespielt, als auch von einer französischen Besetzung. Lediglich Lillian Harvey, die auch Französisch sprach, spielte in beiden Fassungen. Mehrere Filme von Stan Laurel und Oliver Hardy (Dick & Doof) drehten die beiden Schauspieler sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch.

Doch bereits in den Dreißiger Jahren wurden Synchronverfahren entwickelt und hierzulande entstanden nach und nach eine Reihe von großen Tonstudios, die sich auf Synchronarbeit spezialisierten.

Heute gibt es eine Reihe von Postproduktionsfirmen, die sich in diesem Bereich spezialisiert haben. Firmen wie die Berliner Synchron Wenzel Lüdecke, die R.C. Production und Interopa Film oder Studio Hamburg, HS Hamburger Synchron, sowie FFS Synchron, PPA Film und Bavaria Film Synchron.

Anerkennung

Längst sind zahlreiche deutsche Synchronstimmen durch ihre Arbeit bekannt und beliebt, sind Marken- und Erkennungszeichen zugleich. Zuschauer würden Filme möglicherweise ablehnen, wenn im Kino plötzlich Roberto de Niro mit einer anderen Stimme sprechen würde.

Zugleich kommen immer neue Filme und Serien vor allem aus den USA in unsere Kinos und auf unsere Bildschirme, sodass der Bedarf für Stimmen nach wie vor groß ist.

Inzwischen weiß man um die künstlerische Leistung der Synchronsprecher-innen und hat Ihnen sogar seit 2005 einen eigenen jährlichen Preis gewidmet, den Synchro-Star. 2005 ging er an Angela Wiederhut, 2006 an Shandra Schadt. 2007 wurden für Sprecher zwei Kategorien eröffnet, für "Herausragende weibliche Synchronarbeit" wurde Suzanne von Borsody, für "Herausragende männliche Synchronarbeit" Stefan Krause ausgezeichnet.

Multikulti

Besonders schwierig wird es, wenn die Dialoge im Original multikulturell sind, also aus verschiedenen Sprachen und oder Dialekten bestehen. Doch wie überträgt man den leicht französischen Akzent des Hauptdarstellers in die französische Synchronisation? Wie überträgt man die gebrochen Englisch sprechenden Deutschen Touristen in die deutsche Synchronisation? Macht man einen Englischen Akzent daraus? Wie überträgt man den Harlem-Slang eines Straßenjungen? Es ist eine Herausforderung, die durch Sprache transportierten Untertöne auch in eine Synchronisation zu übertragen.

Perfektionisten wie Stanley Kubrik, haben häufig auch die Synchronisation in andere Sprachen überwacht. Auch die Übertragung von anderen landesspezifischen Elementen im Bild (Schilder, Texttafeln, Untertitel) wurden nicht dem Zufall überlassen, sondern genau geplant. Doch wie löst man das Problem, wenn De Niro in New York einen Fremden fragt: „Sprechen Sie Englisch?“  Soll er in der synchronisierten deutschen Fassung „Ja“ antworten, und um sich de Niro verständlich zu machen, in Deutsch weitersprechen? Oder soll de Niro besser fragen: „Sprechen Sie Deutsch?“ Aber de Niro ist doch kein Deutscher... 

Vielfach mogeln sich die Autoren der Synchronbücher über solche Probleme hinweg, indem sie de Niro dann fragen lassen: „Sprechen Sie meine Sprache?“ Und wenn De Niros deutsche Synchronstimme (Christian Brückner) loslegt, nehmen wir ihm ohnehin jeden Satz ab. Und was soll mit den Hintergrundstimmen geschehen, den Flughafendurchsagen, den Radiotönen, den Fernsehern? Alles in Deutsch? 

Die Autoren der Synchronbücher sind übrigens so gut wie nie gleichzeitig die Übersetzer. Die Dialoge werden zunächst von Übersetzern in unsere Sprache übertragen, und dann von den Synchronautoren auf Sprechlänge und Mundbewegungen hin optimiert, ja des öfteren auch ein wenig umgeschrieben. Die besten unter ihnen verfügen über beachtliche Sensibilität und Sprachfertigkeit.

Ab und an erlauben es die diversen TV-Sender, bei mehrsprachiger Ausstrahlung eines Filmes, die Güte der Synchronisation selbst zu überprüfen. Diese ist in den meisten Fällen erstaunlich gut. Nur manchmal kann man sich des Eindrucks nicht gänzlich erwähren, die Sprecher/-innen vom Teleshopping-Kanal hätten mal ausgeholfen. Woran Sie solche Fassungen erkennen? Nun, sie sind „einfach unglaublich, supergünstig und absolut phantastisch – definitiv!“

Noch mehr Informationen: Interview mit dem Schauspieler und Synchronsprecher Jan Kurbjuweit

 
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